Rezension

[REZENSION] Zehn Jahre musst du opfern

Redakteur: Anette Leister

Titel: Zehn Jahre musst du opfern (OT: The Dark Gifts Trilogy 1: Gilded Cage)
Autor: Vic James
Illustrator: Franca Fritz, Heinrich Koop
Verlag: Fischer FJB
Reihe: Dark Palace 1
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren

Ausführung: Hardcover, 448 Seiten

Autor:
Vic James hat ihren ersten Roman zunächst auf Wattpad veröffentlicht, wo eine große Community begeistert die Entstehung des Buchs verfolgte. Sie hat Geschichte und Englisch am Merton College in Oxford studiert, wo Tolkien einst Professor war. Später zog sie nach Rom, um in den geheimen Archiven des Vatikans für ihre Promotion zu forschen und arbeitete außerdem als TV-Produzentin. Inzwischen konzentriert sie sich ganz auf das Schreiben und lebt in London im Stadtteil Notting Hill.

 

ZEHN JAHRE MUSST DU OPFERN

 

Die Menschheit besteht aus einer Zweiklassengesellschaft. Zum einen ist dies die privilegierte Schicht, die über “Geschick”, eine Art von Magie, verfügt, zum anderen sind dies Menschen, denen diese Fähigkeit abgeht.
In den meisten Ländern der Welt wurde das Zweiklassensytem im Laufe der Jahre abgeschafft oder gestürzt, in England besteht jedoch noch immer das Gesetz der Sklaverei, das dem normalem Volk die Pflicht auferlegt zehn Jahre Dienst für die so genannten Ebenbürtigen zu leisten. Dies geschieht entweder in einer der Sklavenstädte oder auf einem herrschaftlichen Landsitz.

Lukes Eltern und seine ältere Schwester Abi haben geplant, dass die Familie komplett ihren Sklavendienst antritt und die zehn Jahre auf dem Anwesen der Familie Jardine ableistet. Jedoch kommt es anders als gedacht. Lukes Eltern, seine Schwester Abi und das Nesthäkchen der Familie Daisy treten ihren Dienst wie geplant für die Familie Jardine an, Luke jedoch wird von ihnen getrennt und in die Fabrikstadt Millmoor verfrachtet, wo körperliche harte Arbeit, aber auch neue Freunde und Herausforderungen auf ihn warten.
Auf dem Landsitz Kyneston ist die Arbeit zwar körperlich leichter, was den Sklavendienst jedoch nur unwesentlich einfacher macht. Die Familie ist dort den Launen der drei Jardine-Brüder ausgesetzt, von denen zwei nur sehr schwer einzuschätzen sind… Man kann kaum abschätzen, wer größerer Gefahr ausgesetzt ist. Luke in der Fabrikstadt oder seine Familie auf dem Anwesen einer der mächtigsten Familien Englands?

Vic James wirft ihre Leser schnell in das Geschehen hinein, durch einen schlimmen Vorfall auf Kyneston und die unmittelbaren Vorbereitungen von Lukes Familie kurz bevor sie ihren Sklavendienst antreten. Dennoch gibt es im späteren Verlauf der Geschichte immer wieder kleine Längen, da das politische Treiben der Ebenbürtigen einen großen Raum einnimmt und teilweise Tempo aus der eigentlichen Handlung herausnimmt. Im Endeffekt passiert trotzdem so viel in diesem Auftaktband und durch den ständigen Orts- und Perspektivwechsel erhält man viele verschiedene Einblicke, dass diese Durststrecken zu verschmerzen sind.

Trotz phantastischer Elemente, steht im Vordergrund ganz klar die politische und gesellschaftliche Entwicklung. Vic James’ Dystopie regt auf vielfältige Art und Weise zum Nachdenken an.
In welchem Alter man selbst wohl seinen Dienst antreten würde? Würde man sich für eine der Sklavenstädte entscheiden oder für den Dienst in einer herrschaftlichen Familie?
Vic James leuchtet die beiden gegnerischen Lager von verschiedenen Blickwinkeln aus. Trotzdem steht man als Leser ganz auf der Seite der Gegner der Sklaverei, den Menschen ohne Geschick beziehungsweise den wenigen Ebenbürtigen, die dieses Gesetz ebenfalls als überholt und menschenunwürdig erachten.
Die Spannung innerhalb der Handlung erzeugt die Autorin in erster Linie durch einige undurchschaubare Charaktere, bei denen man teilweise selbst zum Ende hin seine Hand nicht dafür ins Feuer legen möchte, welche Ziele sie verfolgen.

Die letzten Kapitel gipfeln in einem Show Down, der die Karten für einige Charaktere mischt und sie dadurch vor völlig neue Herausforderungen stellt. Vic James lässt den Auftaktband “Zehn Jahre musst du opfern” mit einem Cliffhanger enden, der schlecht voraussagen lässt, was auf die einzelnen Figuren im zweiten Band zukommen wird. Nach diesem Schluss wird kaum ein Leser des ersten Bandes die Finger von der Fortsetzung lassen können!

Die Dark Palace Trilogie ist eine Dystopie mit einem interessanten politischen Thema, das leider gar nicht so fantastisch ist wie es anmutet, sondern auch in der heutigen Welt teils bittere Realität ist. Zudem hat Vic James einige interessante Charaktere geschaffen, die den Leser in den Bann ziehen. Es geht meiner Meinung nach nichts über gut ausgearbeitete Antagonisten, gerade bei einer düsteren Thematik wie der in Dark Palace.

 
 
 
Redakteur: Christiane Demuth
 
Die Menschen in England sind in zwei Klassen geteilt. Es gibt solche mit sogenanntem „Geschick“ und es gibt die Mehrheit, diejenigen ohne. Letztere müssen zehn Jahre ihrer Lebenszeit opfern und sich als Sklaven für die Oberschicht verdingen. Lukes Schwester Abi verfolgt den Plan ihre Familie gesammelt auf einem Herrscheranwesen unterzubringen. Doch dann wird Luke von seinen Eltern und Schwestern getrennt…

Was genau dieses vielgerühmte „Geschick“ nun ist, erschließt sich niemals so ganz. Dass es aber eine Art von Magie ist und seinem Träger durchaus eine gewisse Macht verleiht, scheint mehr als nur offensichtlich. Auch gibt es verschiedene Ausprägungen und Stärken, wodurch man sich unwillkürlich fragt: Sollte man mit diesem Können nicht lieber ausschließlich Gutes bewirken? Warum unterdrücken die Ebenbürtigen die Sklaven in diesem Maße und warum kosten sie ihre Machtspielchen so sehr aus?

Natürlich gibt es, wie immer, auch eine Minderheit – auf beiden Seiten –, die sich auflehnt, die versucht die politischen Strukturen zu verändern. Doch was können diese Ausnahmen schon ausrichten und wer gehört zu ihnen? Im Verlauf des Geschehens lernt der Leser diverse Charaktere beider Lager kennen und muss versuchen zu erkennen wer aufrichtig und wer nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Es zeigt sich, dass der erste Eindruck häufig trügt, es also durchaus lohnt hinter die Fassade zu schauen, erscheint sie noch so dick und undurchdringlich. Mitunter laufen so auch einige inhaltliche Fäden zusammen, die man zuvor wahrscheinlich nicht miteinander in Verbindung gebracht hätte.

Auf Grund der Orts-, Perspektiv- und Personenwechsel von Kapitel zu Kapitel, lernt man zu Beginn viele verschiedene Figuren kennen. Dadurch scheint jedoch die Handlung etwas in den Hintergrund zu geraten, weshalb sich der tatsächlich Einstieg ins Geschehen verzögert, der Leser sich erst eingewöhnen muss. Im weiteren Verlauf kommt es zwar auch immer wieder zu ein paar Längen, diese sind jedoch schneller überwunden. Lässt man sich darauf ein, erwartet den Leser eine Geschichte, bei der man schon recht froh ist, dass sie auf Fiktion beruht. Ein fieser Cliffhanger sorgt für reichlich Spekulationsstoff wie es im nächsten Band wohl weiter geht.

 
 
 
MUSS ICH HABEN!

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