Redakteur: Kerstin Kruse
Titel: Richtig gutes Essen (OT: Oishii Gohan ga Taberaremasuyouni)Autorin: Junko Takase
Übersetzerin: Yoko Ann Hamann
Verlag: DuMont
Reihe: -/-
Ausführung: Hardcover, 160 Seiten


RICHTIG GUTES ESSEN
Junko Takases Roman „Richtig gutes Essen“ bietet anhand der drei Büroangestellten Nitani, Ashikawa und Oshio Einblick in die japanische Arbeitsmoral und Gedankenwelt und hinterfragt anhand der komplexen Beziehungskonstellationen unter den KollegInnen soziale und gesellschaftliche Erwartungen an ein „sättigendes“ Leben. Während Nitani den Regeln entsprechen will, eigene Bedürfnisse zurückstellt und ein sehr pragmatisches (Arbeits-) Leben führt, geht Ashikawa, mit der er eine Affäre unterhält, auch ihren eigenen Vorlieben nach. Anstatt sich im Büro aufzureiben, geht sie pünktlich nach Hause und backt dafür für das ganze Kollegium Leckereien, die ihren fehlenden Arbeitsehrgeiz kompensieren sollen. Nitani und auch seine Kollegin und Trinkpartnerin Oshio verärgert Ashikawas Verhalten und sie beschließen, sie dafür hinterrücks fertig zu machen.
Mir ist es schwer gefallen, mit dem Roman warm zu werden, weil ich zu wenig Kenntnisse von der japanischen Kultur und Arbeitswelt habe, um alle Symboliken und die Gedanken und Handlungen der Protagonisten zu verstehen. Auch die japanischen Namen waren eine kleine Hürde für mich. Dieses soll den Roman natürlich nicht abwerten – im Gegenteil: so konnte ich meinen (Lese-) Horizont erweitern!
Dennoch muss ich leider sagen, dass mir dieses Fremdeln den Roman nicht ganz „schmackhaft“ gemacht hat, da viel seiner Aussageabsicht zwischen den Zeilen herausgelesen werden muss und auch die Figuren selbst nicht die größten Sympathieträger sind. Handlung und Personen sind distanziert und rätselhaft geblieben und haben im Großen und Ganzen wenig Entwicklung durchlebt. Wie in einer Endlosschleife bei „Täglich grüßt das Murmeltier“ gehen die Figuren zur Arbeit, Ashikawa verteilt Gebäck, es wird gegessen und Nitani ärgert sich und lässt das Gebäck verschwinden und lästert mit Oshio über die verweichlichte Kollegin. Hintergrund all dieser Handlungen das komplexe Beziehungsgeflecht der Bürogemeinschaft, das von Regeln der Höflichkeit und Moralvorstellungen geprägt ist. Dabei kommt wegen der fehlenden Entwicklung kaum Spannung oder Dramatik auf und alles dümpelt so vor sich hin. Teilweise wirkt alles sehr absurd und befremdlich, was es mir erschwert hat, die Motive des Romans zu verstehen und mich eher auf Distanz gehalten hat.
Nichtsdestotrotz bin ich bei der Lektüre dran geblieben, weil die Autorin flüssig schreibt und durch die vielen Dialoge eine gewisse Dynamik entsteht. Auch waren die verworrenen Beziehungskonstellationen und die fremde Gedankenwelt auch noch so interessant, dass ich wissen wollte, wie sich die sozialen Dynamiken entwickeln, auch wenn es am Ende nicht zur großen Überraschung geführt hat. Da das Buch recht schmal ist, war es eine kurzweilige und ungewöhnliche Lektüre, der mir Einblick in eine andere Welt gegeben hat.
„Richtig gutes Essen“ ist sicher kein alltäglicher Roman und für jeden Geschmack geeignet. Aber wer sich für die japanische Kultur interessiert (und sie auch besser versteht als ich…) oder wer über seinen Tellerrand hinausblicken und Neues probieren will, sollte zu diesem ungewöhnlichen Buch greifen.

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Hallo liebe Kerstin,
hm, wenn ich an Japan denke, gibt es einige Gegensätze und Regeln zu beachten. Aber ich finde es gut, wenn eine Autorin aus diesem Kulturkreis uns Europäern ihre Welt zeigt…..augenzwickern…
LG..Karin…