Rezension

[REZENSION] On The Come Up

Redakteur: Anette Leister

Titel: On The Come Up
Autor: Angie Thomas
Übersetzer: Henriette Zeltner

Verlag: cbj
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren

Ausführung: Hardcover, 512 Seiten
Autor:
Angie Thomas ist in Jackson, Mississippi, aufgewachsen und lebt auch heute noch dort. Als Teenager tat sie sich als Rapperin hervor; ihr ganzer Stolz war ein Artikel im »Right-On! Magazine«. Thomas hat einen Bachelor-Abschluss im Fach Kreatives Schreiben an der Belhaven Universität. Ihr preisgekröntes Debüt »The Hate U Give« erntete ein überschwängliches Presse- und Leserecho und schaffte es auf Anhieb auf Platz 1 der New York Times-Bestsellerliste. Der Roman wurde 2018 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und mit der »Hunger-Games«-Darstellerin Amandla Stenberg in der Hauptrolle verfilmt.

 

ON THE COME UP

 

Leser von Angie Thomas’ Debütroman “The Hate U Give” kehren mit “On The Come Up” in Starrs Viertel Garden Heights zurück, denn auch die Geschichte von Bri ist hier angesiedelt, deren große Leidenschaft der Rap ist. Die Geschichte ist zeitlich kurz nach “The Hate U Give” angesiedelt und Angie Thomas streut immer wieder Verweise auf ihren Erstling ein, dennoch muss man dessen Inhalt nicht kennen. Ich wette jedoch darauf, dass Bris Geschichte die Lust weckt auch Starrs Geschichte kennenzulernen, wenn man dies bis dahin versäumt hat.

Bri wächst nach dem Tod ihres Vaters – einer Rap Legende – mit ihrer Mutter und ihrem älteren Bruder in Garden Heights auf. Ihre Mutter war lange Zeit drogenabhängig und während dieser Zeit wurden Bri und ihr Bruder von ihren Großeltern betreut. Das Verhältnis zwischen Bris Mutter und deren Schwiegereltern liegt nicht nur deswegen im Argen, aber es ist der Hauptgrund für das zerrüttete Verhältnis zwischen ihnen.
In Bris Welt ist so vieles falsch und paradox. Wo Drogen fast ihre Familie zerstört hätten, retten sie sie an anderer Stelle. Würde ihre Aunt Pooh ihre ältere Schwester in finanziellen Engpässen nicht mit dem Geld unterstützen, dass sie durch Dealen verdient, hätte diese wahrscheinlich schon lange ihre Wohnung verloren.
Bri träumt davon mit ihrer Leidenschaft den Durchbruch zu schaffen und dank des Raps der Armut den Rücken zu kehren. Für ihre Mutter ist dies jedoch ein rotes Tuch. Nicht nur, dass Bri über ihre Leidenschaft die Schule vernachlässigt, ihr verstorbener Vater stand damals kurz vor dem Durchbruch und Bris Kampf für ihren Traum reisst schmerzhafte Wunden auf. Mit ihrem ersten Song, den sie ins Netz stellt, erregt sie viel Aufmerksamkeit, jedoch nicht nur von der Art, die man sich wünscht. Sie gerät zwischen die Fronten der Gangs in ihrem Viertel, wird zum Gesprächsstoff bei den Weißen, die sich in ihren rassistischen Vorurteilen bestätigt sehen und riskiert den Rückhalt ihrer Freunde und Familie.
Bri wollte nie zum Politikum werden. Sie ist letzten Endes nur ein Mädchen, dass die gleichen Rechte und Chancen wie alle anderen haben will, unabhängig von ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihren finanziellen Möglichkeiten. Sie wird jedoch von mehreren Seiten in diese Rolle gedrängt.

Angie Thomas schreibt voller Leidenschaft. Da sie Bri eine ganz eigene Stimme mit deren Rap Songs verleiht, wird dies noch deutlicher als in ihrem Debütroman “The Hate U Give”. Die Songs spiegeln Bris Innersten wider, ihre Gefühle und Gedanken und damit auch Angie Thomas Sicht auf den Rassismus, wie er heute immer noch zum alltäglichen Leben der farbigen Bevölkerung in den USA gehört.
Bris Raps wurden in der Originalfassung im Buch abgedruckt, dass heißt, sie wurden nicht ins Deutsche übersetzt. Da der Inhalt jedoch durch ihre Gedankengänge, bevor sie losrappt, recht gut zusammengefasst wird, kann man sie auch verstehen, wenn man über gute Grundkenntnisse in Englisch verfügt. Auch Jugendsprache und Slangausdrücke wurden im Original belassen, diese sind jedoch in einem angehängten Glossar aufgeführt und erklärt.
“On The Come Up” spricht jedoch nicht nur das Thema Vorurteile und Rassismus an. Angie Thomas nutzt ihre Geschichte, um auch anderen Randgruppen eine Stimme zu verleihen. So ist einer von Bris beiden besten Freunden homosexuell. Dieser verliebt sich über das Internet in einen geheimnisvollen Fremden, dessen Identität bis kurz vor Schluss geheim bleibt und dann für eine große Überraschung sorgt… Kommt jemandem dieser Plot bekannt vor? ;) Angie Thomas zitiert damit Becky Albertallis Roman “Love, Simon”. Der Titel wird im Buch zwar nicht genannt, aber Bri und ihre Freunde witzeln von Anfang an darüber, dass die Geschichte von Sonny und seiner Flamme an einen bekannten Jugendroman erinnert. Überhaupt ist es wieder sehr herzig zu lesen, wie Angie Thomas in ihrem Buch ihre Fangirlmomente zu anderen fiktiven Geschichten auslebt und Harry Potter oder Star Wars zitiert.

“On The Come Up” ist authentisch und facettenreich. Noch weit mehr als in “The Hate U Give” hat man als Leser das Gefühl Angie Thomas selbst zu hören und nicht bloß einer fiktiven Geschichte zu folgen.
Angie Thomas nimmt uns mit in eine Welt, die durch Rassismus, Armut, Vorurteile, Gewalt und Hass geprägt ist, und dennoch schafft sie es, dass Bris Geschichte nicht bedrückt, sondern Hoffnung und Mut verleiht für seine Leidenschaften und Ziele zu kämpfen und eigene Wege zu beschreiten, statt in den Fußstapfen weiter zu laufen, die Eltern und Großeltern für einen hinterlassen haben.

 
 
MUSS ICH HABEN!

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