Rezension

[REZENSION] Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand (OT: The Seoul Letter Shop 편지가게 글월)
Autorin: Baek Seungyeon
Übersetzer: Sebastian Bring
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Reihe: -/-
Ausführung: Hardcover, 368 Seiten
Autorin:
Baek Seungyeons Debüt »Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand« ist eine Hommage an die verlorene Kunst des Briefeschreibens und die Bedeutung der Verbundenheit in einer zunehmend isolierten Welt.

 

DER BRIEFLADEN, IN DEM DIE ZEIT STILLSTAND

 

Nicht ohne Grund werden Briefe als „Spiegel der Seele“ bezeichnet, wie Baek Seungyeon in ihrem Debüt eindrucksvoll unter Beweis stellt.

„Wenn ich die Ruhe des Zwischenraums genieße, erlebe ich manchmal unvorhersehbare Augenblicke.
Augenblicke, in denen mein Herz durch meine Lieblingsmelodie, einen Film oder die Zeile eines Gedichts berührt wird.“
(S.57)

In dem authentisch dargestellten Letter Shop treten die unterschiedlichsten Persönlichkeiten auf und miteinander in Kontakt. Über den anonymen Penpal-Service werden Verbindungen geknüpft, die womöglich ansonsten nicht zustande gekommen wären. Schön zu sehen an vereinzelten Aufeinandertreffen von Brieffreunden, die nichts von ihrer Gemeinsamkeit ahnen. Gleichzeitig bewegt sich auch die eigentliche Handlung stetig voran, die man ebenfalls gerne verfolgt.

Durch die ruhige und sanfte Erzählweise taucht der Leser ein in die Welt der Briefe, die so viel mehr sind als Worte auf Papier. Sie erheitern, lassen ratlos zurück oder spenden Trost. Die Bandbreite an Emotionen ist enorm. Was das Werk aber ganz besonders ausmacht, ist die entschleunigende Wirkung, die sich während des Lesens entfaltet. Nicht nur im Briefladen steht die Zeit still, sondern auch auf der heimischen Couch, oder wo immer man dieses Buch zur Hand nimmt.

„Und was meinst du mit ‚in der Art des Letter Shops‘?“
[…]
Vielleicht bedeutete es, keine erzwungenen Worte wechseln zu müssen, einfach da zu sein, ohne aufdringlich zu wirken? Wie ein Freund, mit dem man, ohne sich zu verstellen, reden kann, der einen einfach so akzeptiert, wie man ist?
(S.180)

Baek Seungyeon ist ein wunderbarer Wohlfühlroman gelungen, bei dem sich der Leser geborgen fühlt, fallen lassen und alles andere ausblenden kann. Vor allem überkommt einen mehr als einmal der Wunsch, selbst wieder mehr zu Stift und Papier zu greifen, anstatt hauptsächlich digital zu kommunizieren. Wahrhaftig ein Genuss.

 
 

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