Redakteur: Christiane Demuth
Titel: GPSAutorin: Lucie Rico
Übersetzerin: Milena Adam
Verlag: Matthes & Seitz
Reihe: -/-
Ausführung: Hardcover, 168 Seiten


GPS
Nahezu abgekapselt von sämtlichen sozialen Kontakten, verlässt Ariane ihre Wohnung selten bis gar nicht. Doch dann bittet Sandrine sie, ihre Trauzeugin zu werden und an der Verlobungsfeier teilzunehmen. Widerstrebend schafft es Ariane halbwegs elegant durch den Abend, als sie am nächsten Morgen eine Hiobsbotschaft erreicht. Ihre Freundin ist verschwunden und niemand weiß wohin… Aber sie kann sie doch sehen, auf ihrem Handy, mittels Standortfreigabe. Warum kommt Sandrine nicht zurück, was will sie Ariane mitteilen?
Die gewählte Erzählperspektive erscheint zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Obwohl man sich als Leser durchweg an Arianes Seite befindet, wird diese in der zweiten Person direkt angesprochen. Anfängliche Irritationen hat man jedoch schnell überwunden und befindet sich mittendrin in einer gleichsam mitreißenden wie aufwühlenden Geschichte. Dass der Hauptfigur einige Kämpfe bevorstehen und es vieles zu verarbeiten gilt, scheint offensichtlich.
Von einer Sekunde auf die andere wird die Suche nach ihrer Freundin zum allumfassenden Lebensinhalt, und dennoch steht diese lediglich sinnbildlich für eine ganz andere Art von Suche. Die Spuren der Vergangenheit fördern längst vergessene Erinnerungen zutage. Die Auseinandersetzung mit und das Reflektieren von Gedanken und Gefühlen ist kräfteraubend, obgleich sich dies die meiste Zeit im digitalen Raum abspielt. Die Grenzen zwischen Realität, Vorstellung, Wunschdenken und Wahn verschwimmen im Laufe des Geschehens gänzlich.
Die Autorin spielt gekonnt mit Andeutungen, wodurch eine gewisse Grundspannung aufgebaut wird und der Leser geneigt ist, die Ereignisse ohne Unterlass zu verfolgen. Allerdings ist auch Konzentration geboten, sonst kann es schnell passieren, dass man selbst verloren geht beziehungsweise den Anschluss verpasst. Die Erzählung lässt an vielen Stellen Raum für Spekulationen und auch das Ende wird ein wenig offen gehalten. Sicherlich ist die eingeschlagene Richtung deutlich, aber wer weiß schon wirklich was nach dem Schlusspunkt geschieht.
Eine interessante und außergewöhnliche Lektüre, die auf den ersten Blick ziemlich verworren und chaotisch scheint, und dennoch zum Nachdenken anregt.

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