Rezension

[REZENSION] Immerland – Die Stadt der Ewigkeit

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Immerland – Die Stadt der Ewigkeit
Autor: Flix
Verlag: Hanser
Reihe: Band 1
empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahren
Ausführung: Hardcover, 352 Seiten
Autor:
Flix lebt und arbeitet als freier Illustrator und Comiczeichner in Berlin. Neben zahlreichen Büchern veröffentlicht er aktuell seinen Zeitungscomic »Glückskind« jede Woche in der F.A.Z. Mit »Spirou in Berlin« und »Das Humboldt-Tier« setzte Flix als erster deutschsprachiger Künstler Abenteuer für die frankobelgischen Serien um. Flix’ Arbeiten wurden in neun Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Im Februar 2025 kuratierte er die Ausstellung »UDERZO – Von Asterix bis Zaubertrank« im Museum für Kommunikation Berlin. »Immerland« ist sein erster Roman.

 

IMMERLAND – DIE STADT DER EWIGKEIT

 

Die Sommerferien bei seiner Oma zu verbringen scheint für Mika die Höchststrafe zu sein. Kein Internet, keine Playstation, rein gar nix, und dann auch noch völlig missratener Kuchen … Doch eines nachts bricht Oma unvermittelt zusammen und der Beinahe-Teenager steht vor seiner bisher größten Herausforderung. Eine wilde Fahrt durch die Nacht ist nur der Anfang – und ein Klacks gegen die Verlockungen der Ewigkeit.

Wie jeder Mensch hat auch Mika mit seinen 12 5/6 Jahren bestimmte Wünsche und Vorstellungen, und ebenso wie jeder andere hadert auch er hin und wieder mit seinem Leben. Nichts scheint ihm zu gelingen. Freunde zu finden – schier unmöglich. Am liebsten würde er den ganzen Tag zocken, dem Alltag entfliehen, in eine bessere, für ihn angenehmere Welt. Sicherlich findet man sich als Leser in dem ein oder anderen Erlebnis wieder, hatte eventuell sogar ähnliche Gedankengänge und Hoffnungen.

„[…] Klar, man kommt allein zurecht. Und wo keiner ist, kann einen keiner verletzen. Aber vielleicht war es ja doch okay, dieses Risiko einzugehen. Wenn man dafür jemanden hat, mit dem man Dinge teilen kann. Wenn man akzeptiert wird. […]“ (S.124)

Eine Nacht verändert alles, und plötzlich scheint ebenso alles möglich. Mikas Wünsche gehen in Erfüllung. Es gibt zwar hin und wieder Stolpersteine, aber die zu überwinden gelingt auf einmal leichtfüßig. Als wäre das ganze Leben ein Spiel, das sich an das jeweilige Individuum anpasst. Dem Leser ist schnell klar was vor sich geht, noch bevor der Hauptprotagonist auch nur den Hauch einer Ahnung hat. Dennoch verfolgt man das Geschehen weiterhin gebannt, denn hinter jeder Ecke wartet eine neue Überraschung darauf, zum Vorschein zu kommen.

Die Vorstellungskraft des Autors ist enorm, und mit derselben Faszination gelingt es ihm, den Leser mitzureißen. Gleichzeitig regt die Geschichte zum Nachdenken an, über das was dort geschieht, aber auch das was zwischen den Zeilen geschrieben steht. Selbstverständlich dürfen bei Flix auch vereinzelte Visualisierungen nicht fehlen, die das Gesamtkonstrukt wunderbar abrunden.

„Kunst kommt nicht vom Können. Sondern vom Trotzdem. Dass man es trotzdem macht. Trotz all der Selbstzweifel, der mangelnden Übung, der befürchteten Ideenlosigkeit, dem vermeintlichen Unvermögen. Trotz allem setzt man sich hin und macht was. Das ist Kunst.“ (S.125)

Eine wahnwitzige Geschichte, mit hohem Tempo und einer allumfassenden Lebendigkeit. Einen kleinen Kritikpunkt gibt es allerdings, denn das letzte Viertel erscheint als das berühmte My zu viel. Die Passage zieht sich derart in die Länge, als hätte man dringend noch dies und jenes unterbringen wollen. Alles in allem aber unbedingt zu empfehlen, man darf sich sogar schon jetzt auf einen zweiten Band freuen. Inwiefern die teils sehr drastischen und detailliert beschriebenen Szenen für den eigenen Teenager daheim bereits geeignet sind, möchten Eltern bitte individuell entscheiden.

 
 

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