Rezension

[REZENSION] Messer

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Messer (OT: Kniv)
Autor: Jo Nesbø
Übersetzer: Günther Frauenlob
Verlag: Ullstein
Reihe: Harry Hole 12
Ausführung: Taschenbuch, 576 Seiten
Autor:
Jo Nesbø, 1960 geboren, ist Ökonom, Schriftsteller und Musiker. Er gehört zu den renommiertesten und erfolgreichsten Krimiautoren weltweit. Jo Nesbø lebt in Oslo. Seine Bücher sind in 51 Sprachen übersetzt und haben sich über 60 Millionen mal verkauft, sie wurden mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet.

 

MESSER

 

Es ist wie ein schrecklicher Albtraum, aus dem es kein Erwachen gibt. Harry Hole verfällt zunehmend in alte Muster und trinkt, um zu vergessen. Doch als ihn die Nachricht erreicht, dass seine Frau Rakel, die Frau, die ihn erst vor Kurzem vor die Tür gesetzt hat, ermordet wurde, ist er schlagartig wieder nüchtern. Wie besessen verfolgt Harry jede noch so kleine Spur, selbst wenn sie nur auf einem Bauchgefühl beruht. Gleichzeitig wird er immer wieder von einer düsteren Vorahnung heimgesucht, die schließlich in einer bitteren Erkenntnis gipfelt: Macht er tatsächlich Jagd auf sich selbst?

Wer die Reihe rund um Harry Hole verfolgt, weiß, dass es sich bei dem Ermittler um einen schwer greifbaren Charakter handelt, der mit zahlreichen Dämonen zu kämpfen hat und sicherlich keine weiße Weste besitzt. Doch würde er wirklich so weit gehen, die Frau, die er liebt – ja geradezu vergöttert – zu töten?

Es dauert eine Weile, bis man sich in dem Geflecht der verschiedenen Handlungsstränge zurechtfindet. Denn hier wird keineswegs geradlinig erzählt, zumal mehrere davon parallel verlaufen. Schnell stellt sich auch die Frage, ob sie irgendwann zusammenführen oder letztlich doch unabhängig voneinander bestehen bleiben.

Immer wieder finden sich zudem kurze Verweise auf vergangene Fälle, die meist eher beiläufig aufgegriffen werden, um etwa die Verbindung zwischen einzelnen Figuren zu verdeutlichen. Tiefergehende Vorkenntnisse sind dafür allerdings nicht erforderlich, auch wenn man Harry Hole besser nicht völlig unvorbereitet begegnen sollte.

Der Ton ist derb, direkt und kraftvoll. Jo Nesbø passt seinen Stil dabei nahezu den Protagonisten und den Ereignissen an. Nichts wird beschönigt oder verschleiert – abgesehen natürlich von der Lösung des Falls beziehungsweise der Fälle. Zwischenzeitlich gibt es zwar Momente, in denen die Spannungskurve leicht abfällt und eine gewisse Erschöpfung spürbar wird. Im Nachhinein erkennt man jedoch, dass genau dort lediglich Anlauf für eine überraschende Wendung genommen wurde, mit der wohl kaum jemand gerechnet hätte.

Selbst am Ende ist man sich nicht sicher, wirklich alles begriffen und sämtliche Zusammenhänge vollständig erschlossen zu haben, sodass man den einen oder anderen Aspekt möglicherweise noch einmal rekapitulieren muss. Trotz der umfangreichen Seitenzahl ist dem Autor eine kurzweilige und spannende Lektüre gelungen, die reichlich Raum zum Miträtseln und Spekulieren bietet.

 
 

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