Rezension

[REZENSION] All die Farben, all das Licht

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: All die Farben, all das Licht
Autorin: Cora Wucherer
Verlag: Klett-Cotta
Reihe: -/-
Ausführung: Hardcover, 320 Seiten
Autorin:
Cora Wucherer, geboren 1994 in Oberbayern, studierte Anglistik und Kunst, Musik, Theater an der Ludwig-Maximilians-Universität München und absolvierte die Deutsche Journalistenschule. Sie arbeitet als Journalistin beim ZEITmagazin und lebt in München und Berlin. »All die Farben, all das Licht« ist ihr Romandebüt.

 

ALL DIE FARBEN, ALL DAS LICHT

 

Junas sehnlichster Traum ist es, eine bekannte und anerkannte Künstlerin zu werden. Ihre Gemälde sollen den Menschen in Erinnerung bleiben. Doch eine seltene Krankheit schränkt sie zunehmend ein: Nicht nur ihr Gehör, sondern auch ihr Sehvermögen ist betroffen. Innerlich zerrissen beginnt sie, immer mehr infrage zu stellen – und übersieht dabei womöglich das Wesentliche. Ihrer dreieinhalb Jahre jüngeren Schwester Martha hingegen scheinen alle Türen offen zu stehen. Sie kann sich frei bewegen und wirkt unerschütterlich. Oder ist die Wahrheit vielleicht eine ganz andere?

Cora Wucherer legt hier ein fulminantes Romandebüt vor, das muss gleich zu Beginn gesagt werden. Indem sie die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive der beiden Schwestern erzählt, verleiht sie dem Roman eine Tiefe, die man nur selten findet. Dass zwischen Geschwistern eine gewisse Gegensätzlichkeit herrscht und es zu Auseinandersetzungen kommt, ist nichts Ungewöhnliches. Dennoch stehen auch die Konflikte oft sinnbildlich für etwas ganz anderes. Etwas, das innerhalb der Familie verborgen, vergraben oder bewusst verdrängt wird.

Doch die Geschichte wirft auch weitreichendere Fragen auf, die nicht nur die Protagonisten, sondern ebenso den Leser betreffen: Wer bin ich eigentlich? Wer möchte ich sein? Was wird von mir in Erinnerung bleiben? Man kann sich dem Gefühl kaum entziehen, dass einem hier stellenweise der Spiegel vorgehalten wird. Gleichzeitig bietet die Erzählung Raum zum Innehalten und Reflektieren, über das Gelesene ebenso wie über eigene, womöglich sogar abschweifende Gedanken.

Gegliedert in drei Teile, die eng miteinander verwoben sind, entwickelt der Roman mit jeder Seite mehr Kraft. Dazu trägt auch bei, dass sich die gesamte Erzählung über einen vergleichsweise überschaubaren Zeitraum erstreckt. Die Autorin besticht mit einem hohen Maß an Empathie, ohne dabei etwas schönzureden. Vielmehr begleitet sie jede Veränderung aufmerksam und gibt ihr den Raum, den sie benötigt. Und genau dieses Motiv spiegelt sich auch in der Geschichte selbst wider. Dieses Buch geht weit über reine Unterhaltung hinaus. Es regt zum Nachdenken an und bleibt lange im Gedächtnis.

 
 

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