Redakteur: Christiane Demuth
Titel: StrandgutAutor: Alexander Oetker
Verlag: Hoffmann und Campe
Reihe: Luc Verlain 10
Ausführung: Broschur, 320 Seiten


STRANDGUT
Mit lange zurückreichender Tradition hat sich das Nudistencamp Euronat stetig erweitert und zu einem wahren Feriendorf entwickelt. Manch einer lebt nahezu das ganze Jahr über dort. Aber vor allem in den Sommermonaten reisen zahlreiche Gäste von nah und fern an, manche bereits seit Generationen. Genau zu dieser Hochzeit wird ein junger Politiker ermordet am Strand ebenjenes Dorfes gefunden, unbekleidet. Das prekäre an der Situation: noch kurz zuvor hatte er die hiesige Bürgermeisterin unterstützt, die das Camp schnellstmöglich schließen lassen will. Luc Verlain muss nicht nur in ungewohnter Umgebung ermitteln, er darf auch den Blick für das Wesentliche nicht verlieren.
Sich nicht ablenken lassen von vermeintlich offensichtlichen Erklärungen oder Randnotizen, die lediglich in die Irre führen, das sollte auch der Leser von Beginn an beherzigen. Denn zunächst werden mittels diverser Ortswechsel unterschiedliche Handlungsstränge angestoßen. Sicherlich ist von Anfang an klar, dass sie früher oder später an irgendeinem Punkt zusammenfinden werden. So aber gibt es erst einmal einen umfassenden Überblick über Protagonisten und Örtlichkeiten.
Auf Grund des lockeren Schreibstils, der gewissermaßen die Leichtigkeit des Sommers transportiert, fällt es nicht schwer, Bilder entstehen zu lassen. Andererseits führt der langsam aber gleichmäßig voranschreitende Spannungsaufbau dazu, das Geschehen engmaschig verfolgen zu wollen. Trotz des schrecklichen Verbrechens und riskanter Situationen, gelingt es dem Autor, die zuvor geschaffene Atmosphäre beizubehalten, ohne die Ernsthaftigkeit der Ereignisse damit zu untergraben.
Das Setting mag ungewöhnlich daherkommen, jedoch lauern überall auf der Welt Gefahren, gibt es Menschen, die anderen Schaden und Leid zufügen wollen. Warum also nicht auch in einem Nudistencamp. Ob sich hier wirklich der Stein des Anstoßes befindet, bleibt abzuwarten, diverse Theorien sind denkbar. Die letztendliche Auflösung wirkt an manchen Stellen ein bisschen zu konstruiert, doch auch hier darf man sich als Leser vermutlich gar kein abschließendes Urteil erlauben. Schließlich kennt sich wohl niemand in wirklich allen Kreisen aus.
Der zehnte Band rund um Luc Verlain hält einige Überraschungselemente bereit, von denen durchaus Handlungsstränge in den nächsten Band integriert werden könnten. Dennoch fällt auch Neulingen ein Einstieg nicht schwer, da wichtige Querverbindungen zwischen den Charakteren benannt werden. Ein interessanter Fall, der für einige spannende Lesestunden sorgt.

—–DIESER BEITRAG ENTHÄLT WERBUNG—–



