Redakteur: Christiane Demuth


PAUSE
Als Hanna sich mit Mitte dreißig plötzlich in ihrem Elternhaus wiederfindet, ist diese Option ursprünglich nur für ein oder zwei Nächte gedacht. Lieber gestern als heute möchte sie zurück nach Berlin, in ihre Wohnung, zu ihrem Freund, zu ihrem Job, ihrem Alltag. Aber gibt es all das überhaupt noch? Während sich das Zusammenleben mit ihren Eltern äußerst interessant gestaltet, lernt Hanna viele neue Facetten des Lebens, an sich selbst und ihren Mitmenschen kennen.
Bereits ohne konkret zu wissen was eigentlich passiert ist, mit wem man es zu tun hat oder wo man sich befindet, wird der Leser in das Geschehen hineingezogen. Lena Kupke hat eine wunderbare Art Ereignisse und Figuren zu beschreiben, sie erschafft damit Nähe und Vertrauen wie es nur selten der Fall ist. Trotz einiger Unwägbarkeiten und scheinbarer Hürden, fühlt man sich direkt geborgen.
Ich möchte nicht mehr im Warteraum verloren herumschweben, im Warteraum voller Kampf und Anstrengung, bis sich hoffentlich mein Wunsch erfüllt. Ich möchte mich jetzt schon ausruhen dürfen, auch wenn alles so anders ist, als ich es mir gewünscht habe. In diesem beschissenen Kapitel meines Lebens möchte ich trotzdem schon ein Zuhause haben. (S. 221)
Obwohl man im weiteren Verlauf sehr viel über die Protagonisten, allen voran natürlich Hanna, erfährt, in allen möglichen und unmöglichen Situationen zugegen ist, so geht es in diesem Roman doch um so viel mehr. Hanna steht dabei letztlich stellvertretend für jeden einzelnen. Sicherlich kann man ihre Geschichte nicht einfach auf sich projizieren, ihre Erlebnisse stoßen jedoch tief im Unterbewusstsein eine Lawine los, die man zu Beginn definitiv noch nicht hat kommen sehen. Der Leser erfasst einerseits die Darstellungen, lebt, liebt und leidet mit Hanna, ficht dabei aber gleichzeitig einen eigenen inneren Kampf aus.
Die bei der Lektüre des Werkes aufkommenden Gefühle adäquat zu beschreiben, fällt schwer. Sämtliche Worte und Formulierungen können dem nicht gerecht werden. Lena Kupke ist mit „Pause“ ein wahrlich grandioser, unglaublich empathischer und nicht minder aufwühlender Roman gelungen. Um nicht von Emotionen überwältigt zu werden, sollte man den Titel sehr ernst nehmen und auch mal eine Pause beim Lesen machen, so schwierig es auch ist das Buch zur Seite zu legen.

—–DIESER BEITRAG ENTHÄLT WERBUNG—–




