Rezension

[REZENSION] Walter muss weg

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Walter muss weg
Autor: Thomas Raab
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Reihe: Frau Huber ermittelt 1
Ausführung: Hardcover, 384 Seiten
Autor:
Thomas Raab, geboren 1970, lebt nach abgeschlossenem Mathematik- und Sportstudium als Schriftsteller, Komponist und Musiker mit seiner Familie in Wien. Zahlreiche literarische und musikalische Nominierungen und Preise, u.a. den ‘Buchliebling’ 2011 und den Leo-Perutz-Preis 2013. Die Kriminalromane rund um den Restaurator Willibald Adrian Metzger zählen zu den erfolgreichsten in Österreich. Zwei davon wurden bereits für die ARD verfilmt. Außerhalb der Metzger-Reihe erschien 2015 der von Feuilleton hoch gelobte Serienmörderroman ‘Still. Chronik eines Mörders’. 2017 wurde Thomas Raab mit dem erstmals verliehenen Österreichischen Krimipreis ausgezeichnet.

 

WALTER MUSS WEG

 

Nach nunmehr dreiundfünfzig Ehejahren sollte sie nun endlich kommen: die Freiheit. Nur noch Walters Leiche unter die Erde bringen dann hätte Hanni Huber ihre Ruhe. Doch beim Begräbnis der Schock – der Sarg rutscht ab, der Deckel öffnet sich und offenbart den Bestatter selbst anstatt des eigentlich Verblichenen. Und überhaupt, was macht diese fremde, vollkommen aufgelöste, Frau am Grab ihres Walters? Hannelore Huber spürt, dass in Glaubenthal eine Verschwörung im Gange ist, der sie selbst auf die Schliche kommen muss…

Nur noch ein letzter Akt, dann wäre der Schritt ins Witwen-Dasein geschafft und Frau Huber könnte sich aufopfernd und ausgiebig um ihren Garten kümmern. Doch dann kommt alles ganz anders und auch der Leser spürt sofort, dass etwas im Argen liegt, dem selbst nachgegangen werden muss, auf die Polizei ist in dem Fall nicht unbedingt Verlass. Zunächst allerdings bedarf es einer kurzfristigen Eingewöhnungsphase, der Autor, seines Zeichens Österreicher, erwischt nicht nur die dargelegte Situation, sondern auch den Leser eiskalt. Stilistisch auf den ersten Blick anstrengend anmutend, bekommt man mehr und mehr ein Gefühl für die sprachlich treffenden Beschreibungen, knackig platzierten Dialoge und mitunter bitterbösen Bemerkungen.

Spannend und gleichzeitig nebulös, was die Auflösung der Scharade angeht, gestaltet sich ein Schauspiel, in dem vermutlich nicht einmal die Figuren selbst alle Schritte kennen. Auch der Leser, einem Zuschauer gleich, wird mal in die eine, mal in die andere Richtung bugsiert. Bereitwillig lässt man dies geschehen, immer in der Hoffnung endlich einen Hinweis auf die wahrhaftigen Ereignisse zu erhaschen. Doch Thomas Raab ist nicht bereit so einfach für Klarheit zu sorgen, da wartet noch ein ganz besonderes Schmankerl zum Finale.

Mit „Frau Huber ermittelt – Der erste Fall“ betitelt, lässt sich mehr als nur vermuten, dass es ein Wiedersehen mit Hanni und den anderen Bewohnern Glaubenthals geben wird. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht wieder eine falsche Leiche im Sarg liegt, eine solche Aufregung hält das stärkste Dorf nicht zweimal aus.

 
 
MUSS ICH HABEN!

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3 thoughts on “[REZENSION] Walter muss weg

  1. Hallo und guten Tag,
    hmmm, also ich persönlich finde mit einer Totenfeier/Sarg macht man keine Späße. Denn jeder der schon mal auf einer war empfindet das sicherlich wie ich auch als Ober-Gau und gar nicht lustig.

    Aber gut die Geschmäcker sind ja verschieden…..

    LG..Karin…

    1. Hallo Karin,
      tut mir leid, wenn ich mich da möglicherweise missverständlich ausgedrückt habe, denn weder die Situation als solche noch ihre Schilderung im Buch ist spaßig. Ich habe es auch keineswegs so verstanden als sollte hier etwas verulkt werden.
      Und ich war ebenfalls (leider) bereits selbst auf Begräbnissen/Totenfeiern, weiß also durchaus wie sich so etwas persönlich anfühlt.
      LG
      Christiane

      1. Hallo Christiane,

        …..Österreicher haben manchmal schon einen etwas schrägen Humor, hätte ja hier durchaus der Fall sein können.

        O.K. ..passt schon.

        LG..Karin…

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