Rezension

[REZENSION] Der Klang der Farben

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Der Klang der Farben (OT: Dixiatie – The Sound of Colors)
Autor/Illustrator: Jimmy Liao
Übersetzer: Marc Hermann
Verlag: Chinabooks E. Wolf
Reihe: -/-
Ausführung: Broschur, 128 Seiten
Autor/Illustrator:
Jimmy Liao veröffentlichte 1998 im Alter von 40 Jahren seine ersten Werke. Auslöser für sein kreatives Schaffen war ein Kampf gegen Leukämie, den er nur knapp überlebte. Sein erstes Bilderbuch sollte eigentlich bloß ein Abschiedsgeschenk an seine Familie sein, bildete aber den Start für eine fulminante Karriere. Häufige Themen in seinen Büchern sind Einsamkeit, Isolation, Abschiednehmen, ungestillte Sehnsucht nach Glück und die Flüchtigkeit jeden menschlichen Glücks. Die Figuren sind oft Kinder, die entfremdet sind von ihrer Umgebung.
Seine Bilderbücher für Erwachsene haben einen neuen Trend begründet. Sie erfreuen sich im In- und Ausland großer Beliebtheit und sind in viele Sprachen (Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Griechisch, Koreanisch, Japanisch und Thailändisch) übersetzt worden.
Viele seiner Werke sind zu Musicals, Fernsehspielen oder Filmen umgeschrieben worden. Der Zeichentrickfilm Der lächelnde Fisch auf der Grundlage seines gleichnamigen Bilderbuchs gewann auf der Berlinale 2006 den Spezialpreis des Deutschen Kinderhilfswerks.
2003 wurde er von der Zeitschrift Studio Voice zu einem der „55 kreativsten Köpfe Asiens“ gewählt.
2007 widmete ihm der Discovery Channel als einer von sechs herausragenden Persönlichkeiten Taiwans ein Porträt.

 

DER KLANG DER FARBEN

 

U-Bahn-Schächte sind für sich genommen schon von Zeit zu Zeit unheimlich, stellt man sich allerdings vor in völliger Dunkelheit dort hinabzusteigen, jagt es einem schier eiskalte Schauer über den Rücken. Die blinde Hauptfigur in Jimmy Liaos „Der Klang der Farben“ nimmt die Herausforderung dennoch an und besitzt mit ihren 15 Jahren vermutlich mehr Mut als manch ein Erwachsener.

Das Mädchen lässt sich einfach durch die Stadt treiben, von Station zu Station, manchmal orientierungs-, aber niemals hilflos. Dabei geht es gar nicht so sehr darum eine Geschichte ihrer tatsächlichen Reise aufzuzeichnen, sondern vielmehr um Empfindungen und Eindrücke, die sie streifen. Natürlich nimmt auch der Leser die unterschiedlichen Stimmungen wahr, die nicht nur durch die kurze Erzählung, sondern auch visuell durch wundervolle Illustrationen deutlich werden. Nicht immer dreht sich alles um äußere Einflüsse, auch das Seelenleben der Hauptprotagonistin wird betrachtet und dargestellt, schließlich wird erst im Zusammenspiel die ganze Kraft der Imagination klar.

Jimmy Liao holt den Leser von Anfang an ab und katapultiert ihn hinein in dieses Bilderbuch für Erwachsene. Glücklicherweise gibt es zahlreiche der grandiosen Bilder zu betrachten, die selbst schon eigenständige Geschichten erzählen. Der Begleittext weist ausschließlich die Richtung, lässt aber noch immer Raum für die eigene Fantasie. Gerne verweilt man bei der ein oder anderen Darstellung länger, nimmt die Atmosphäre in sich auf und versucht zu ergründen wie man selbst sich bei der Betrachtung gerade fühlt. Vielleicht stellt man sich sogar eine ähnlich gelagerte Situation vor.

„Der Klang der Farben“ erzählt nicht nur von einer Reise in die Imagination, sondern vor allem vom Suchen und Finden, auch wenn zu Beginn noch nicht ganz klar ist wo die Reise eigentlich hingehen soll und wird. Gerade das aber macht den Reiz aus und man lässt sich gerne darauf ein. Ein ganz und gar liebevolles Buch, poetisch in Bildern und Worten und so herzerwärmend – trotz einiger emotionaler Tiefpunkte – dass man es immer wieder einfach nur anschauen mag, denn es verströmt unglaublich viel Freude und Hoffnung.

 
 
MUSS ICH HABEN!

 

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