Redakteur: Christiane Demuth
Titel: Die AusterAutorin: Yael Inokai
Verlag: Hanser Berlin
Reihe: -/-
Ausführung: Hardcover, 224 Seiten


DIE AUSTER
Als Leonora das Haus ihres Arbeitgebers betritt, spürt und riecht sie sofort, dass etwas anders ist als sonst. Und dann findet sie ihn, Dr. Bronstett, Geschäftsführer eines legendären Kaufhauses, in seinem eigenen Blut – ohne Hände. Leonora macht, was sie immer gemacht hat: Sie reinigt das Haus von oben bis unten gründlich. Und ruft schließlich doch die Polizei. War es wirklich nur der Schock, der sie auf diese Art und Weise handeln ließ?
Von Beginn an spürt der Leser, dass sämtliche Protagonisten nur einen Bruchteil von sich selbst offenbaren. Vieles bleibt zunächst, bewusst oder unbewusst, im Verborgenen. Entsprechend wirkt die gesamte Atmosphäre eher kühl und zurückhaltend, obwohl gerade Freunde in einer solchen Situation doch eigentlich näher zusammenrücken und sich gegenseitig stärken sollten. Nach außen mag es diesen Eindruck machen, blickt man jedoch hinter die Fassade, zeigt sich eine ganz andere Wirklichkeit.
Obwohl man die Figuren nicht so recht fassen kann und keine engere Bindung zu ihnen aufbaut, hofft man doch, dass sie im Verlauf der Geschichte zumindest die eine oder andere kleinere Wandlung durchlaufen. Denn nicht nur jeder Einzelne, sondern auch der Fall selbst sowie das Kaufhaus, das zeitweise als Dreh- und Angelpunkt des Geschehens erscheint, bergen gut gehütete Geheimnisse. Nicht alle werden gelüftet, nicht jede einzelne Frage beantwortet, aber das ist für das Gesamtgeschehen auch nicht notwendig.
Die Autorin erzählt einerseits sehr klar und direkt, arbeitet andererseits aber auch viel mit Andeutungen. Das, was nicht ausgesprochen oder niedergeschrieben wird, ist meist von höherem Belang und sollte vom Leser nicht unbewusst abgetan werden. Hier lohnt sich manchmal auch ein zweiter Blick, um Informationen richtig begreifen und einordnen zu können. Leider bleibt die Geschichte dennoch etwas blass und träge. Vielleicht wurde einfach zu viel gewollt, vielleicht muss man aber auch nur einen dritten oder sogar vierten Blick riskieren. Nichtsdestotrotz lohnt es sich, die Lektüre zur Hand zu nehmen und in sie einzutauchen.

—–DIESER BEITRAG ENTHÄLT WERBUNG—–



