Rezension

[REZENSION] Noch fünf Tage

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Noch fünf Tage
Autorin: Helena Falke
Verlag: Suhrkamp
Reihe: -/-
Ausführung: Hardcover, 303 Seiten
Autorin:
Helena Falke ist das Pseudonym einer mehrfach ausgezeichneten deutschsprachigen Autorin. Sie hat Literatur studiert, danach war sie in der Medienbranche tätig. Mit ihrer Familie lebt sie in der Nähe des Dreiländerecks, an dem Frankreich, Deutschland und die Schweiz zusammentreffen.

 

NOCH FÜNF TAGE

 

5 Tage gleich 120 Stunden gleich 7.200 Minuten gleich 432.000 Sekunden …
Oder: Die Zeit, die Lis maximal bleibt, um ihren Mörder zu entlarven.

„[…] Der Sinn des Lebens ist es nicht, den Tod hinauszuzögern, sondern ihn anzunehmen. Nur so wird jeder Moment unseres Daseins zu etwas Einzigartigem, zu etwas Kostbarem. Zu etwas Wunderbarem.“

Das verhängnisvolle Silvesterdinner, das die Familie Harman nicht überleben sollte, liegt bereits in der Vergangenheit als die Erzählung aus Sicht der Hauptprotagonistin einsetzt. Auch sie wurde vergiftet, aber noch bleibt ihr Zeit. Zeit, den Täter zu finden. Und sie ist gewillt sämtliche Kräfte dafür zu mobilisieren. Denn – so scheint es – die Polizei hat ihr Urteil längst gefällt.

Die Autorin wählt eine ungewöhnliche und gleichsam spannende Perspektive für diesen Thriller. Die Gegenwart findet ausschließlich in einem Krankenhauszimmer statt und die Erzählerin weiß um ihre begrenzte Lebenszeit, den Zeitraum, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Die Atmosphäre wechselt zwischen betroffen, beklemmend, euphorisch, aufbrausend und friedlich, je nachdem mit welchem Aspekt Lis sich selbst und den Leser gerade konfrontiert.

Das Zusammenspiel eher unkonventioneller Ermittlungsansätze und sehr realen Gedankengängen die aktuelle Situation betreffend funktioniert gut. Die nicht chronologisch angelegte Handlung wechselt geschickt zwischen den Emotionen, so dass ab und an sogar Verschnaufpausen möglich sind, in denen man sich kurz sammeln kann. Ansonsten gilt es verständlicherweise, das Tempo hoch zu halten. Wer kann schon sagen, wann die Zeit tatsächlich abgelaufen ist. Und was, wenn es bis dahin keine eindeutige Auflösung gibt?

Als Leser versucht man aus Lis‘ Darstellungen eigene Theorien zu entwickeln. Selbstredend scheitert so manches schlicht an der Verifizierbarkeit, anderes wiederum erscheint einem bei genauerer Betrachtung dann plötzlich selbst absurd. Letztendlich fällt das Finale allerdings – im direkten Vergleich zur übrigen Lektüre – ernüchternd aus.

Helena Falke legt mit „Noch fünf Tage“ aber dennoch einen Pageturner vor, der auf psychologischer Ebene mit Hochspannung besticht und den Leser auch im Nachgang noch ein wenig beschäftigt. Denn die Themen sind ebenso vielfältig wie vielschichtig. Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen, gesellschaftliche Konventionen, Familie, Freundschaft – und den Tod.

 
 

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