Redakteur: Christiane Demuth
Titel: Die Familie sehen und sterbenAutor: Toni Rivera
Sprecher: Samuel Streiff
Verlag: Argon
Reihe: Band 1
Ausführung: Ungekürzte Lesung, ca. 460 Minuten, Audio-Download


DIE FAMILIE SEHEN UND STERBEN
Zwei verdächtige Todesfälle, die nicht so einfach als Unfälle abgetan werden können. So etwas gab es im Tessin schon lange nicht mehr. Aber ist es wirklich Zufall, dass die Leichen nahezu zeitgleich auftauchen, oder gibt es eine Verbindung zwischen den Männern? Capitano Rossi macht sich eher unmotiviert an die Ermittlungen, bis Hinweise in eine Richtung deuten, die ihm ganz und gar nicht behagt.
‚Die Familie ist das Wichtigste‘. Diesen Satz nutzt Capitano Rossi nicht nur sehr häufig, in gewisser Art und Weise lebt er dieses Motto regelrecht, nicht immer jedoch regelkonform. Selten gelingt es einem Autoren, seinen Hauptermittler dermaßen unsympathisch darzustellen wie es hier der Fall ist. Unweigerlich stellt sich die Frage, ob er tatsächlich einen solch fragwürdigen Charakter besitzt, oder ob es einen anderen Hintergrund für sein Auftreten gibt.
Einige Gedankengänge wirken wirr, andere wie nicht zu Ende gedacht. Dadurch wird es dem Hörer erschwert, sich im Geschehen einzufinden. Lange Zeit bleibt zudem unklar, in welche Richtung die Geschichte sich entwickelt, was genau der Autor vorgesehen hat. Samuel Streiff gibt sein Bestes, die Ausführungen möglichst nachvollziehbar zu gestalten. Nichtsdestotrotz bleiben Hörer und Inhalt sich fremd.
Gleichwohl schafft Toni Rivera es, eine gewisse Spannung zu erzeugen. Diese ist auch der Grund, weshalb man letztlich bis zum Schluss am Ball bleibt. Um die zahlreichen Verstrickungen und Verschleierungen, die mal mehr mal weniger offensichtlich angedeutet werden, geht es dabei schon lange nicht mehr. Im Endeffekt möchte man lediglich erfahren, ob die Fälle erfolgreich und zufriedenstellend aufgeklärt werden können.
„Die Familie sehen und sterben“ ist ein Krimi mit Höhen und Tiefen, ohne großartige Überraschungsmomente. Mitreißende Passagen sind rar gesät, zeigen aber deutlich das nicht vollends ausgeschöpfte Potenzial. Ein solider Auftakt, der zwar wenige Sympathien einheimsen kann und mit einigen Klischees aufwartet, aber zumindest phasenweise überzeugt.

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