Redakteur: Christiane Demuth
Titel: ene, mene, duAutoren: Anja Goerz / Eric Niemann
Verlag: Gmeiner
Reihe: Band 3
Ausführung: Taschenbuch, 352 Seiten

Eric Niemann ist in Lübeck geboren und lebt in Hamburg. Er ist Schulleiter, schreibt neben Hörspielen – u.a. für die Serien „Sherlock Holmes – Die neuen Fälle“, „Pater Brown“ und Ivar Leon Mengers „Die schwarze Stadt“ – auch Theaterstücke und ist Autor der „Jerry Cotton“-Reihe. Zusammen mit Anette Strohmeyer hat er den Zeitgeschichtlichen Krimi „Chinatown Hamburg“ veröffentlicht, ebenfalls bei Gmeiner.

ENE, MENE, DU
Vielleicht nicht ganz freiwillig, aber letztlich der Vernunft folgend, macht sich Herma Bahnsen auf den Weg in den Urlaub – ein paar Tage ausspannen auf Sylt. Doch schon während der Überfahrt wird die Kapitänin des Schiffs tot auf der Toilette aufgefunden. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um ein Verbrechen handeln muss. Ihr Chef beordert Herma kurzerhand aus dem Urlaub zurück und überträgt ihr die Leitung der Ermittlungen. Zur gleichen Zeit tritt Jan Tesdorp seine neue Stelle in Lübeck an, in der Hoffnung, seine Vergangenheit in Pinneberg hinter sich zu lassen. Noch bevor sein erster regulärer Arbeitstag beginnt, gehen Vermisstenmeldungen ein, die offenbar mit einem viele Jahre zurückliegenden, ungelösten Fall in Verbindung stehen.
Auch wenn beide Fälle zunächst getrennt voneinander betrachtet werden müssen, ist schnell klar, dass sich die Wege der beiden Ermittler erneut kreuzen werden. Schließlich lernten sie sich einst bei einem gemeinsamen Fall auf Helgoland kennen und sind seither auch freundschaftlich miteinander verbunden. Wann, weshalb und in welcher Form es dazu kommt, bleibt zunächst im Dunkeln. Erste Hinweise ergeben sich jedoch, als Figuren, die bereits im zweiten Band eingeführt wurden, erneut auftreten und von Beginn an stärker in den Fokus rücken.
Blickt man auf den Handlungsstrang rund um Herma Bahnsen, könnte man meinen, dass sich der Täter bei einem Mord auf einem Schiff schnell ermitteln lassen müsste. Trotz der konkreten Spurenlage lässt sich der Kreis der Verdächtigen jedoch längst nicht so zügig eingrenzen wie zunächst vermutet. Immer wieder erweisen sich Theorien als Sackgasse, und auch der Leser kann seine Vermutungen kaum auf mehr als ein Bauchgefühl stützen. In Jan Tesdorps Cold Case hingegen deutet aus Lesersicht – dank weiterführender Einblicke, die den Ermittlern verborgen bleiben – zunächst vieles in eine bestimmte Richtung. Obwohl sich die Hinweise verdichten, hofft man bis zuletzt, dass die Lösung nicht so offensichtlich ist und es sich lediglich um eine geschickt platzierte Finte handelt.
Durch die regelmäßigen Ortswechsel gelingt es dem Autorenduo, eine solide Spannungsbasis aufzubauen. Gleichzeitig treiben sie abwechselnd jeweils einen Handlungsstrang voran, während der andere gewissermaßen ruht. Für den Leser bietet genau das die Gelegenheit, das zuvor Gelesene nachzuvollziehen und einzuordnen, um die einzelnen Puzzleteile nach und nach zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Zwar wirken sich die geschilderten Ereignisse unterschiedlich auf den Spannungsbogen aus, insgesamt fällt das Fazit jedoch positiv aus. Zumal es sich wohl nicht um die letzten Fälle für Herma und Jan handeln dürfte.

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