Redakteur: Christiane Demuth
Titel: Insel der Ratten (OT: Rotteøya)Autor: Jo Nesbø
Übersetzer: Günther Frauenlob
Verlag: Ullstein
Reihe: -/-
Ausführung: Hardcover, 208 Seiten


INSEL DER RATTEN
Welche Ausmaße und Auswirkungen eine Pandemie annehmen kann, hat vermutlich jeder vor einigen Jahren miterlebt und verbindet damit ganz eigene Erfahrungen, Erinnerungen und Emotionen. Jo Nesbø greift dieses Szenario auf und spinnt es erbarmungslos weiter. Was geschieht, wenn das gesellschaftliche Gleichgewicht noch weiter ins Wanken gerät und selbst die Gerechtigkeit zunehmend aus den Fugen gerät? Geht es am Ende nur noch ums nackte Überleben?
Während die Erzählung voranschreitet, wird von Seite zu Seite deutlicher, dass der spätere Showdown bereits zu Beginn eingeläutet wurde. Mithilfe von Rückblenden rekonstruiert Jo Nesbø, wie die Protagonisten an diesen Punkt gelangt sind. Naheliegende Themen wie Macht und Einfluss spielen dabei eine zentrale Rolle, doch der Roman schlägt auch tiefgründigere Töne an. Schließlich verfügt jeder Mensch über einen eigenen Willen und die Freiheit, über sein Handeln zu entscheiden.
Die Figuren bewegen sich durch verheerende Zustände. Vieles geschieht dabei aus purem Instinkt, manches jedoch auch mit Kalkül. Doch gilt in einem derartigen Ausnahmezustand tatsächlich nur das Recht des Stärkeren? Mit einer Mischung aus Spannung und Beklemmung verfolgt man das Geschehen, denn der Gedanke, dass ein solcher Plot alles andere als unrealistisch ist, lässt sich nur schwer abschütteln.
Aufgrund des Sprachstils und der wechselnden Perspektiven entwickelt die Erzählung einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Einerseits möchte man angesichts der teils drastischen Beschreibungen die Augen verschließen, andererseits treibt die Geschichte unaufhaltsam voran. Man verfolgt die Ereignisse Schritt für Schritt, um die Hoffnung nicht der Verzweiflung weichen zu lassen. Und immer wieder drängt sich dieselbe Frage in den Vordergrund: Wie würde man selbst handeln?

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