Redakteur: Christiane Demuth
Titel: Fehlerhaft und wunderbar (OT: La dictée)Autor: Antoine Laurain
Übersetzerin: Katrin Segerer
Verlag: Atlantik
Reihe: -/-
Ausführung: Hardcover, 144 Seiten


FEHLERHAFT UND WUNDERBAR
Sichtlich bedrückt legt Benjamin zu Hause ein Diktat vor, in dem er nahezu keinen Satz fehlerfrei zu Papier gebracht hat. Seine Eltern, verständlicherweise wenig begeistert, grübeln über die Ursache und greifen schließlich zu einer ungewöhnlichen Methode, ihren Sohn von der Sinnhaftigkeit einer fehlerfreien Rechtschreibung zu überzeugen. Kurzerhand nehmen sie selbst Papier und Stift zur Hand.
Dem Leser ist von Beginn an klar, dass es hier um weit mehr geht als Diktate und korrekte Rechtschreibung. Dennoch überzeugt auch das gewählte Motiv als solches. Sprache, sei es in Wort oder Schrift, vermag so viel mehr auszudrücken und zu verbinden, als es zumeist auf den ersten Blick erkennbar ist. Ob das Ungesagte zwischen den Zeilen oder die transportierten Emotionen – um nur zwei Möglichkeiten zu nennen. Letzten Endes dreht sich alles um Kommunikation, verbal wie non-verbal.
Der Autor wählt hier eine Methode, um Menschen wieder an einen Tisch beziehungsweise zueinander zu bringen. Indem sie sich mit einem vermeintlich unabhängigen Text beschäftigen, werden Erinnerungen angestoßen und Gedankengänge forciert, die längst vergessen schienen. Dem Leser ergeht es dabei ähnlich: Auch er wird zum Nachdenken oder vielleicht auch einfach zum Innehalten angeregt.
Antoine Laurain hat wieder einmal ein Werk erschaffen, das den Leser zugleich abtauchen lässt und aus seiner eigenen Welt herausreißt. Mit seinem poetischen Schreibstil fesselt er einen von Anfang bis Ende. Trotz durchaus gewichtiger Themen kreiert er immer wieder eine wahrhaftige Wohlfühloase.

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