Rund ums Buch

[RUND UMS BUCH] Der Räuber Hotzenplotz: Die Großmutter und ihre Kaffeemühle

Artikel Räuber HotzenplotzOtfried Preußler ist nun seit fünf Jahren tot und der Räuber Hotzenplotz eine Figur, die nicht selten bereits in den Kinderzimmern unserer Eltern zu finden war.
Mehr über Otfried Preußler und sein literarisches Erbe könnt ihr bei Annett nachlesen.

 

 
Nicht nur Neuauflagen, sondern ein neues Abenteuer

Worin liegt wohl das Geheimnis begründet, dass der Räuber Hotzenplotz noch heute von Kindern gelesen und immer wieder neu aufgelegt wird? Und nicht nur das, seit Kurzem gibt es dank einem Nachlassfund sogar ein neues Abenteuer mit dem dummen Räuber zu lesen: Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete

Auf dem Blog könnt ihr meine Meinung zu dem neuen Buch nachlesen.

 

Warum Zeitgeist selten das Zeug zum Klassiker hat

Meiner Meinung nach ist ist die Großmutter mit ihrer Kaffemühle nicht unschuldig an diesem Phänomen. Nun werden sich einige fragen, was eine Kaffeemühle damit zu tun hat, dass ein Buch ein Klassiker wird?

Mir ist es schon häufig beim Lesen aufgefallen, dass es einen Unterschied gibt, zwischen zeitlosem Beiwerk, dass unabhängig von jeder Generation bekannt ist, und zeitgemäßen, oder kurzlebigen Dingen, die nach wenigen Jahren in Vergessenheit geraten, so dass manche Bücher einfach nicht mehr “funktionieren”. So ziehen einen zwar Bücher, die den aktuellen Zeitgeist innehaben, teilweise schneller oder mehr beim Lesen in ihren Bann, haben meiner Meinung nach aber selten das Potential dazu zum Klassiker zu werden.

Artikel Räuber HotzenplotzAls Beispiel nun zur Großmutter mit ihrer Kaffeemühle:
In den Büchern über den Räuber Hotzenplotz sitzt die Großmutter häufig vor ihrem kleinen Häuschen und mahlt mit ihrer Mühle frischen Kaffee. Preußler hat einen bildhaften Schreibstil und entwickelt durch die Darstellung die passende Atmosphäre von einer fürsorglichen Großmutter, die für ihre beiden Jungs Kasperl und Seppl zum Dank dafür, dass sie die von Räuber Hotzenplotz gestohlene Kaffeemühle wiederbeschafft haben, Kaffee kocht und ich bin mir ganz sicher, dass es dazu einen frischgebackenen Guglhupf geben wird.
Kennt ihr Kasperl und Seppl noch nicht? Kein Problem, bei Bianca könnt ihr einiges über das ungleiche Duo erfahren.

Artikel Räuber HotzenplotzNun stellen wir uns das Ganze angepasst an den Zeitgeist vor:
Da die Großmutter die Vorlieben ihrer Jungs kennt, hat sie sicher an Kasperls Laktoseintoleranz gedacht, und daran, dass Seppl spät am Nachmittag kein Koffein mehr verträgt. Umweltbewusst wie sie ist, verzichtet sie natürlich auf Kapsel- oder Padmaschinen, nur, dass der Kaffee heutzutage nicht mehr mit einer Handmühle, sondern vom Kaffeevollautomaten gemahlen wird. Sollte der außerplanmäßig zicken und bei der Servicestelle des Herstellers zur Wartung sein, war es das natürlich mit dem gemütlichen Kaffeeklatsch und die Atmosphäre der ganzen Geschichte ist im Eimer… Mal davon abgesehen, dass es sich für den Räuber Hotzenplotz sicher einfacher bewerkstelligen lässt eine Kaffemühle mitgehen zu lassen als einen Kaffeevollautomaten ;)

 

Sind Überarbeitungen in Klassikern generell unangebracht?

Ich für meinen Teil will nicht hoffen, dass Kinderbüchern, die auch nach mehreren Generationen noch gelesen werden, Anpassungen dieser Art widerfahren werden. Wohingegen ich Überarbeitungen, was die Sprache angeht, durchaus begrüße, da es Wörter gibt, die man heutzutage nicht mehr im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet oder die politisch nicht korrekt sind.
Aber vielleicht erfährt man darüber ja mehr, wenn Katrin morgen etwas über den Räuber Hotzenplotz im Wandel erzählt?

 

© Poster, Cover und Innenillustration: Thienemann-Esslinger Verlag

Webauftritt vom Räuber Hotzenplotz

2 thoughts on “[RUND UMS BUCH] Der Räuber Hotzenplotz: Die Großmutter und ihre Kaffeemühle

  1. *hahahahaha*…. was ein klasse Beitrag.
    Ich musste eben lachen bei deiner Schilderung zu Seppls Laktoseintoleranz und so ;)
    Klasse geschrieben – das hat Spaß gemacht zu lesen ;)

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