Redakteur: Anette Wolf
Titel: Happy Head (OT: Happy Head)Autor: Josh Silver
Übersetzerinnen: Jessika Komina, Sandra Knuffinke
Verlag: Magellan
Reihe: Happy Head 1
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Ausführung: Softcover, 416 Seiten


HAPPY HEAD
Seb wird ein Platz in einem Mental-Health-Programm angeboten. In diesem sollen unglückliche Jugendliche in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt werden.
Er ist ein Jugendlicher mit wenig Selbstvertrauen. Geprägt von dem Gefühl, seine Eltern nicht stolz zu machen, nie genug zu sein, es keinem recht machen zu können.
Im Programm wirkt er wie ein Peoplepleaser. Dies lässt ihn zeitweise unsympathisch wirken, aber es ist sehr authentisch in Bezug auf seine Unsicherheit. Er ist ein junger Mensch mit Zweifeln und Ängsten, wirkt nahbar und bietet Identifikationspotential.
Auch das andere Personal des Buches ist interessant und facettenreich ausgearbeitet.
Insgesamt nehmen einhundert Jugendliche am ersten Camp von Happy Head teil. Vorrangig lernt man diejenigen der Jugendlichen besser kennen, die in einer Gruppe mit Seb eingeteilt sind.
Darunter der rebellische Finneas, zu dem Seb sich im Laufe der Geschichte immer mehr hingezogen fühlt. Außerdem Eleanor, die mehr über das Programm zu wissen scheint als die anderen teilnehmenden Jugendlichen.
Mich hat die Geschichte sehr gefesselt und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Der Schreibstil ist flüssig und modern, durch den Blickwinkel des Ich-Erzählers ist man mitten im Geschehen. Die Handlung ist durchgehend spannend und stellenweise brutal.
Ich habe lange Zeit nicht geahnt, in welche Richtung sich das Geschehen entwickelt und war überrascht über die Hintergründe einiger Figuren, die im Laufe der Zeit offengelegt werden.
Josh Silver schreibt spannend, zeitgemäß und jugendlich. Zudem hat er autobiografische Züge in seinen Roman einfließen lassen.
Nach seiner Schauspielausbildung und Auftritten im West End und am Broadway, entschloss er sich zu einem Berufswechsel und arbeitet nun als Krankenpfleger für psychische Gesundheit.
Wie sein Protagonist Seb ist Josh homosexuell und gibt der queeren Community mit seinem Roman Happy Head Sichtbarkeit.
Doch nicht nur diese Aspekte machen seinen Roman so nahbar und authentisch. Die Schilderungen sind leider gar nicht so realitätsfern und auch, dass ein ursprünglich positiver Gedanke eine negative Entwicklung nimmt, ist alles andere als undenkbar.
Happy Head endet mit einem Cliffhanger und ungelösten Fragen, welche hohe Erwartungen an den zweiten und abschließenden Band Dead Happy schüren.
Zum Glück soll dieser bereits im Herbst erscheinen.


Ein abgeschiedenes Camp, ein Experiment und eine Einladung, die Seb nicht ablehnen kann, wenn er seine Eltern endlich stolz machen möchte. Es kann doch nicht so schwer sein, die gestellten Aufgaben zur Zufriedenheit aller zu meistern, um endlich ein gänzlich erfülltes Leben zu führen. Hin und wieder wäre es allerdings gar nicht verkehrt Methoden und Ansichten zu hinterfragen.
Für den Leser ist sehr schnell offensichtlich, dass im Camp irgendetwas vor sich geht, das bisher zwar nicht greifbar, aber ziemlich bedrohlich ist. Dabei bewundert man die Naivität der Jugendlichen, die scheinbar allesamt keinerlei Bedenken haben. Andererseits wurden sie vermutlich aus ganz bestimmten Gründen für dieses Experiment ausgewählt.
Der Autor verfolgt interessante Ansätze, die den Leser sicherlich auf die ein oder andere Weise zum Nachdenken anregen. Nichtsdestotrotz gestaltet sich das erste Drittel recht zäh, es scheint als würde die Handlung nicht so richtig in Schwung kommen. Natürlich werden bereits Akzente gesetzt, die darauf hindeuten, dass mehr als nur ein Geheimnis hinter der Fassade lauert, sie ziehen das Tempo aber leider zunächst nicht merklich an.
Inwiefern man sich mit der ein oder anderen Figur identifiziert liegt in erster Linie im eigenen Charakter begründet, nachvollziehbar sind viele der dargestellten Reaktionen seitens der Jugendlichen jedoch allemal. Schließlich wird jeder das ein oder andere Erlebnis seiner Teenagerzeit noch immer sehr präsent haben. Dementsprechend sind auch die teils überschäumenden Emotionen völlig plausibel.
So richtig verfangen hat das Buch nicht, obwohl nicht nur der Cliffhanger am Ende für einige offene Fragen sorgt, die man schon gerne beantwortet bekommen würde. Ob der zweite noch folgende Band wirklich für einen runden Abschluss sorgen kann bleibt daher fraglich. Thematisch trifft Josh Silver sicherlich einen Nerv, in einer Zeit, die von Unsicherheiten im Kleinen wie im Großen geprägt ist und zahlreiche Ängste schürt.

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