Rezension

[REZENSION] Schräge Vögel – SOKO Neuntöter

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Schräge Vögel – SOKO Neuntöter
Autorin: Anna Täuber
Verlag: Fischer
Reihe: Band 1
Ausführung: Softcover, 368 Seiten
Autorin:
Weiß der Kuckuck wie Anna Täuber alias Dorothea Böhme und Regine Bott darauf kamen, den gefiederten Freunden eine große Rolle in ihrem Leben einzuräumen. Aber inzwischen tummeln sie sich munter an den gut ausgestatteten Futterplätzen in Regines Garten und auf Dorotheas Balkon. Dorothea hat ihr Berufsleben darüber hinaus dem Naturschutz gewidmet, und Regine streift gern mit einer Vogelbestimmungsapp durch den Wald. Da lag es nahe, eine Gruppe Hobby-Ornithologen zu den Hauptfiguren ihrer Krimireihe »Schräge Vögel« zu machen. Denn wer reglos Vögel beobachten kann, der hat auch bei der Beschattung von Verbrechern einen klaren Vorteil. Wenn sich die Autorinnen nicht gerade ein neues Abenteuer für ihre fünf »Birder« ausdenken, treten sie regelmäßig gemeinsam im Rahmen einer Lesebühne auf. Sie leben mit ihren Familien in Stuttgart und Kornwestheim.

 

SCHRÄGE VÖGEL – SOKO NEUNTÖTER

 

Jeden Sonntag trifft sich die illustre Runde der Hobby-Ornithologen im Grabenstädter Moos, um ihrer Passion nachzugehen. Doch an diesem Sonntag ist einiges anders. „Mutti“ bringt anstatt der von allen heißgeliebten, frisch aufgebackenen Croissants nur ungenießbare Kekse mit. Einer aus ihrer Gruppe taucht gar nicht erst auf, ihn finden die vier verbliebenen Birder erschreckenderweise tot im Gehölz. Und plötzlich entfacht nicht nur ein Gespräch, es wird auch sogleich eine Soko gebildet. Denn eins ist sicher: Franks Tod war kein Unfall.

Die titelgebenden schrägen Vögel brauchen eine geraume Zeit, um miteinander warm zu werden. Wie auch immer die Gruppierung zusammengefunden hat, Unterhaltungen haben bisher kaum bis gar nicht stattgefunden. Teilweise hatten sie sich noch nicht einmal namentlich vorgestellt. Da muss erst einer von ihnen sterben bis zwischenmenschliche Interaktion vonstatten geht. Entsprechend holprig startet diese, der Anlass ist verständlicherweise auch nicht unbedingt der angenehmste.

Natürlich besitzt jeder seine Eigenheiten und jede Figur hat eine Geschichte, die sie an genau diesen Punkt ihres Lebens gebracht hat. Allerdings gestaltet sich die Einführung in den Reihenauftakt und die damit verbundene Darstellung der Protagonisten allzu ausladend. Die Handlung scheint zunächst in den Hintergrund zu rücken, wodurch eine gewisse Langatmigkeit entsteht und kurzzeitig sogar die Überlegung zum Abbruch der Lektüre aufkommt.

Dem nicht nachzugeben und durchzuhalten macht sich letztlich jedoch bezahlt. Sobald ausreichend Informationen zu den Charakteren übermittelt wurden – in weiten Teilen zunächst ausschließlich an die Leserschaft gerichtet – wird sich dem Todesfall gewidmet, den die Polizei als nicht verdächtig einstuft. Die Hobby-Ornithologen mutieren schnell zu einer Gruppe von Hobby-Detektiven, mit dem erklärten Ziel, die wahren Hintergründe aufzudecken. Denn sie sind sich sofort einig, dass Frank mit Sicherheit keinen Unfall oder medizinischen Notfall erlitten hat.

Das Autorinnenduo kredenzt dem Leser im weiteren Verlauf eine wilde Mischung aus spannenden und humoristischen Elementen. Von Zeit zu Zeit ist man völlig perplex ob der Naivität der Figuren, aber gleichzeitig beeindruckt von ihrem Vorgehen. Halsbrecherische Aktionen stehen ebenso auf dem Programm wie leisere Töne, da private Komponenten immer wieder Gehör finden. Jedoch bei weitem nicht mehr so zäh wie noch zu Beginn. Dadurch ergibt sich insgesamt ein durchaus versöhnlicher und immerhin solider Eindruck. Das deutlich vorhandene Potenzial wird hoffentlich im nächsten Band von Anfang an ausgeschöpft.

 
 

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