Redakteur: Christiane Demuth
Titel: Weil sie lügtAutorin: Caroline Seibt
Verlag: Droemer
Reihe: -/-
Ausführung: Softcover, 384 Seiten


WEIL SIE LÜGT
Seit über einem Jahr ist Juli verschwunden, ihr Vater sitzt im Gefängnis und der Fall scheint beinahe zu den Akten gelegt. Doch dann deutet sich plötzlich eine neue Spur an, die die gesamte Ermittlungsmaschinerie erneut in Gang setzt. Wieder wird Annas Leben vollständig auf den Kopf gestellt, Wohnung und Keller werden Zentimeter für Zentimeter durchsucht. Der Albtraum für sie und ihre Familie hat nie wirklich aufgehört – und nun wird er schlimmer denn je.
Schon auf den ersten Seiten spürt der Leser die Verzweiflung, die Anna Tag für Tag begleitet. Die Ungewissheit, der ihre Familie ausgesetzt ist, möchte man sich kaum vorstellen, geschweige denn selbst erleben. Gleichzeitig brodelt es im Untergrund, als würden dort einige Geheimnisse lauern, die nur darauf warten, an die Oberfläche zu gelangen. Doch noch bleibt es bei einer vagen Ahnung, einem unbestimmten Gefühl. Wie weit die Verzweigungen tatsächlich reichen, ist lange Zeit nicht absehbar.
Erzählt wird das Geschehen aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. Einerseits aus Annas Sicht als unmittelbar Betroffene, andererseits aus der Perspektive Katharinas, die die Ermittlungen leitet. Sie betrachtet die Ereignisse somit von der anderen Seite und hat selbstredend ein großes Interesse daran, den Fall aufzuklären. Dabei bleibt es nicht nur bei dem Wechsel der Perspektiven, auch die Zeitstruktur variiert. Immer wieder werden vergangene Situationen eingestreut, um das Bild nach und nach zu vervollständigen und zugleich neue Hinweise zu setzen. Diese sind so geschickt platziert, dass sie den Leser gelegentlich in gedankliche Sackgassen führen.
„Weil sie lügt“ von Caroline Seibt ist ein wahrlich mitreißender Thriller, der sich am Ende in eine ganz andere Richtung entwickelt als zunächst erwartet. Den Titel und die Frage, wer diese ominöse „sie“ eigentlich ist, stets im Hinterkopf, versucht man mit jeder neuen Information, die Puzzleteile endlich zusammenzufügen, um den Ereignissen – damals wie heute – auf den Grund zu gehen. Der Schluss wirkt möglicherweise etwas konstruiert, was letztlich jedoch nur einen fast schon zu vernachlässigenden Kritikpunkt darstellt.

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