Redakteur: Christiane Demuth
Titel: Tante Frances hat kein Herz für Mörder (OT: How to Cheat Your Own Death)Autorin: Kristen Perrin
Übersetzerin: Susann Rehlein
Sprecherin: Anne Düe
Verlag: Argon
Reihe: Das Mörderarchiv 3
Ausführung: Ungekürzte Lesung, ca. 556 Minuten, Audio-Download


TANTE FRANCES HAT KEIN HERZ FÜR MÖRDER
Die Beziehung zwischen Annie und ihrer Mutter Laura war schon immer ein wenig durchwachsen und – wie es scheint – von Geheimnissen geprägt. Als Annie während eines Aufenthalts in London die Leiche von Lauras Schülerin entdeckt, wird schnell klar, dass das mühsam errichtete Konstrukt zu bröckeln beginnt. Annie beginnt zu ermitteln, schließlich ist sie dafür bekannt, ungewöhnlichen Todesfällen nachzugehen. Damit bringt sie jedoch nicht nur sich selbst in Gefahr. Zumal der aktuelle Mord erschreckende Parallelen zu einem jahrzehntealten Verbrechen aufweist, das Annies Tante Frances in ihren Tagebüchern festgehalten hat.
Es empfiehlt sich in jedem Fall, zumindest den ersten Band der Reihe zu kennen, um sowohl die Grundidee des Mörderarchivs als auch die regelmäßig wiederkehrenden Figuren besser zu verstehen. Zwar enthält auch dieser dritte Band kleinere Erläuterungen, diese sind jedoch bewusst knapp gehalten und setzen gleichzeitig gewisse Vorkenntnisse voraus.
Zeitnah nach dem grausigen Leichenfund werden die Parallelen zu den Ereignissen der Vergangenheit sichtbar. Das ist besonders deshalb gelungen, weil die Autorin erneut auf das bereits etablierte Stilmittel der Rückblenden zurückgreift. Alles, was Annie in den Tagebüchern ihrer Tante liest, wird dem Hörer bildhaft dargestellt, als wäre man live dabei. So verfolgt man zunächst zwei unabhängige Handlungsstränge, erkennt mit jeder neuen Information jedoch die Querverbindungen zwischen den beiden Erzählebenen.
Mitfiebern und Miträtseln sind hier ganz klar an der Tagesordnung, auch wenn man von Annies Alleingängen mitunter nicht begeistert ist, da man als Hörer die Gefahren natürlich deutlich früher erkennt. Ebenso entwickelt man verhältnismäßig früh eine konkrete Theorie, die sich bis zum Schluss hartnäckig hält und mit jedem neuen Hinweis noch plausibler erscheint. Die Autorin versucht durchaus, falsche Fährten zu legen, doch das gelingt ihr nur bedingt.
Das Zusammenspiel der beiden Zeitebenen ist neben den inhaltlichen Komponenten auch stark von Sprecherin Anne Düe geprägt. Mit ihrer Interpretation holt sie den Hörer ab und entführt ihn in ein gleichermaßen grausames wie faszinierendes Verwirrspiel, bei dem von Beginn an klar ist, dass nicht nur ein Geheimnis darauf wartet, gelüftet zu werden. Doch werden wirklich alle Fragen beantwortet oder steuert man bereits auf Band 4 zu? Tante Frances‘ Tagebücher jedenfalls scheinen noch lange nicht alle ihre Geheimnisse preisgegeben zu haben.

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