Redakteur: Kerstin Kruse


TUTTO BENE
Ein moderner „Hipsterroman“ am Zahn der Zeit, der frech und unterhaltsam geschrieben ist, jedoch seine Schwächen auf inhaltlicher Ebene hat. Jüngere LeserInnen werden Laura Wagners Roman und seine Figuren als authentisch empfinden und vieles aus ihrer eigenen Lebenswelt in Sachen Sprachstil und Milieu wiedererkennen. Im Großen und Ganzen ist das unterhaltsam, was vor allem auch an Protagonistin Emmas schlagfertiger, „rotziger“ Erzählweise liegt, aber dennoch war meiner Meinung nach nicht alles gut…
Zum einen wirken die Gegenwartsbezüge wie die Nennung von Markennamen oder Anglizismen häufig sehr gewollt und dominant, was dem Text Authentizität und Natürlichkeit genommen hat. Es hat auf mich so gewirkt, als wolle sich die Autorin zu sehr an populäre AutorInnen wie Caroline Wahl annähern und es dadurch übertreiben. Diese sprachliche und inhaltliche Überbetonung des „Hipsterstils“ hätte als bewusste Parodie lustig sein können, ist hier auf die Dauer aber eher nervend.
Zum anderen wurden mir allzu viele Probleme und Themen angerissen, die dann nicht in der nötigen Tiefe aufgearbeitet wurden. Von Alkoholproblemen und Essstörung über Lebens- und Zukunftskrisen bis hin zu Vaterkomplex und Liebesproblemen ist so gut wie jedes Dilemma der Generation X dabei. Dadurch wird der Roman der Schwere der Themen nicht gerecht und verbleibt auf einer oberflächlichen Ebene. Zwar finde ich auch, dass selbst solche Romane mit einer Prise Humor und Leichtigkeit daher kommen dürfen, wie es zuletzt z.B. Lena Kupke mit „Pause“ gelungen ist, ohne das sie dabei die nötige Tiefe vermissen lassen. Doch „Tutto Bene“ bleibt hier zu oberflächlich und nimmt die Problematiken nicht ernst genug. Die Handlung löst sich am Ende allzu leicht und unkompliziert auf und wie schnell das Leben dann doch wieder „tutto bene“ ist, wirkt auf mich nicht realistisch und zu unreflektiert.
Als Fazit kann ich dem Roman also einige gute Aspekte abgewinnen, die vor allem an der Modernität und dem schwarzen Humor der schlagfertigen Erzählerin Emma liegen. Jedoch ist wie zuvor ausgeführt eben nicht alles gut, sodass ich „Tutto Bene“ am Ende eher wie einen nervigen, lauten Hipsterroman empfunden habe, der leider mehr wollte als eher konnte.

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Hallo und guten Tag Kerstin,
hm, mit Leuten die immer nur „in sein wollen“ kann ich persönlich auch nicht viel anfangen, denn so bin ich nicht groß geworden. Deshalb hätte ich da wohl auch meine Problemchen…..augenzwickern…
LG…Karin..