Redakteur: Christiane Demuth
Titel: Mit beiden Händen den Himmel stützenAutorin: Lilli Tollkien
Verlag: Aufbau
Reihe: -/-
Ausführung: Hardcover, 255 Seiten


MIT BEIDEN HÄNDEN DEN HIMMEL STÜTZEN
Es ist wahrlich nicht übertrieben, wenn in der Kurzbeschreibung von einer „Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand“ gesprochen wird. Teilweise würde man es womöglich sogar eher als untertrieben betiteln. Die nach Beendigung der Lektüre zu lesende Triggerwarnung sollte in jedem Fall dem Buch vorangestellt werden. Es wird laut, es wird heftig, aber auch durch und durch empfindsam.
„Mit Genugtuung beobachte ich, wie die Erwachsenen mit sich ringen, wenn ich ein Schnapsglas leere, wenn ich am Joint ziehe, die Schule schwänze oder betrunken auf irgendeinem Schoß in der Kneipe sitze, wie sie zu spüren scheinen, dass etwas an der Situation falsch ist und sie dennoch Teil davon sind und nichts sagen.“
Wenn Lale, die Ich-Erzählerin, von den Begebenheiten in der Männer-Kommune erzählt, von den ständig wechselnden Frauen-Bekanntschaften, oder dem Agieren der Männer, wirkt es häufig, als würden die Ereignisse von außen betrachtet. Dennoch kommen sämtliche Emotionen deutlich zum Ausdruck, positive wie negative, wie in den Raum geschrien. Beim Leser überwiegt ob der dargestellten Lebensverhältnisse sicherlich die negative Wahrnehmung.
Und dennoch wird man nicht müde, den Lebensweg des Kindes, des Mädchens, der Teenagerin, der jungen Frau immer weiter zu verfolgen. Letztlich immer mit der leisen Hoffnung einer möglichen Rettung. Unverblümt und mit gnadenloser Ehrlichkeit schickt Lilli Tollkien ihre Hauptprotagonistin auf einen mit allerlei Minen gepflasterten Pfad. Manche von ihnen verbergen ihre wahren Absichten geschickt, manche verleiten ganz offensichtlich zur Abhängigkeit, um nur zwei Bilder herauszugreifen.
Inspiriert von wahren Erlebnissen, erschafft die Autorin ein gleichsam authentisches, bewegendes, wie verstörendes Werk, das aller Schutz- und Hilflosigkeit zum Trotz nicht an Strahlkraft verliert.

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