Interview

[INTERVIEW] Jörg ter Veer

Redakteur: Anette Leister

 

Aus gegebenem Anlass bin ich auf einen Ratgeber neugierig geworden, der im letzten Jahr im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen ist. Es war vorrangig der Titel, der mich darauf aufmerksam gemacht hat. Unter “How to survive” erscheint eine ganze Reihe von Ratgebern in diesem Verlag und ich wollte zu gerne wissen, ob es dieses Buch tatsächlich schafft, dass ich meine aktuelle Lebenssituation besser bewältigen kann und habe dazu nicht nur dieses Buch gelesen, sondern darüber hinaus dem Autor Jörg ter Veer einige Fragen gestellt.

 

 

Lieber Herr ter Veer, vielen Dank, dass Sie sich meinen Fragen zur Verfügung stellen.
 
 
Aus gegebenem Anlass bin ich auf ihr Buch “How to survive Scheidung” aufmerksam geworden, was bei Ratgebern wohl meistens der Fall ist, dass man sie dann liest, wenn man auf entsprechender Suche nach Rat ist.
 
 
FRAGE: Welche Ratschläge hätten Sie sich damals gewünscht, als Sie vor der Trennung standen und was war der ausschlaggebende Anlass, der Sie dieses Buch schreiben ließ?
 
Ich hätte den Ratschlag gebraucht, die Zeit des beiderseits vorhandenen Wunsches nach einer einvernehmlichen Trennung zu nutzen, um die nötigen Details mit Hilfe einer Mediation in einer Scheidungsfolgenvereinbarung für die spätere Scheidung festzuhalten (z.B. finanzielle Details wie nachehelicher Unterhalt, Kindesunterhalt, etc.). Stattdessen haben wir beide irgendwann unabhängig Anwälte kontaktiert, um uns „nur mal zu informieren“. Diese Anwälte haben uns naturgemäß das Drehbuch aus der Hand genommen. Am Ende stand dann der Gang durch zwei Instanzen und ein insgesamt sehr viel höherer Geldbetrag, den wir an Anwälte und Gericht für eine Regelung bezahlen mussten. Mit Mediation und Scheidungsfolgenvereinbarung zum richtigen Zeitpunkt wäre das vermieden worden.
 
Der Anlass, dieses Buch zu schreiben war ehrlich gesagt der Wunsch meines Literaturagenten und des Verlages. Ich hatte das Manuskript meines soeben im Februar erschienenen Buches „Wir sollten uns kennenlernen!“ eingereicht und sie fragten mich, ob ich auch einen Scheidungsratgeber schreiben könne. Das habe ich dann mit großem Engagement, der Unterstützung einer Anwältin und eines Psychologen getan.
 
 
FRAGE: Auch wenn der Anlass kein Grund zur Freude ist, so schaffen Sie es meistens einen humorvollen Ton in Ihrem Buch anzuschlagen.
Wie wichtig ist es in so einem Prozess der Trennung seinen Humor nicht zu verlieren? Haben Sie Ratschläge – gerade für Menschen, die sich in einer schwierigen Trennung, wenn nicht sogar in einem Rosenkrieg befinden – wie man sich das Leben abseits der Trennung und Scheidung etwas schöner und stressfreier gestalten kann?
Ich finde es an manchen Tagen schon schwierig für den “Pflichtteil” ordentlich zu funktionieren…
 
Das ist vollkommen richtig und selbst ich, der eine letztendlich doch noch vergleichsweise „normale“ Scheidung hinter sich bringen konnte, habe auch viele schwierige Stunden erlebt. Auch wenn Trennungssituationen immer individuell verschieden sind, so erlebt sicher jeder schwere Momente. Das liegt daran, dass Scheidungen zu den massivsten und komplexesten Lebensbrüchen gehören. Hoffnung und Enttäuschung, Liebe und manchmal sogar Hass, Trauer und Zuversicht, Verlustangst, Zukunftsangst, Sorge um sich und die Kinder, finanzielle Engpässe – dieser Knoten ist so groß und oft undurchsichtig wie kaum eine andere Lebenssituation. Außerdem fühlt man sich in Teilen defizitär, denn ein Teil des eigenen Lebensentwurfs ist gescheitert.
Es mag widersprüchlich klingen, wenn ich diesem Knoten eine Prise Humor hinzufügen will. Das kann natürlich auch nicht in jeder Situation gelingen. Bei einem verzweifelten Kind beispielsweise bleibt einem jeder Humor sofort im Halse stecken. Aber für die vielen humorvollen Ansätze waren mehrere Gründe ausschlaggebend.
 
1. Zuallererst bin ich selbst ein humorvoller und optimistischer Mensch, der meist nach vorne schaut. Von daher repräsentiert dieses Buch auch meine eigene Sicht auf die Dinge – mit der notwendigen Ernsthaftigkeit einerseits und angemessen dosiertem Humor andererseits.
2. Die Komplexität des Themas Scheidung (Psychologie, juristische Zusammenhänge, soziale Komponenten, finanzielle Folgen) macht es unheimlich schwer, die drei Phasen des „Vorher,mittendrin und nachher“ halbwegs umfassend und vor allem VERSTÄNDLICH abzubilden. Wer schon – wie Sie so treffend sagen – Mühe hat, im „Pflichtteil“ ordentlich zu funktionieren, dem werden Kraft und Zeit zum Wälzen juristischer Abhandlungen oder psychologischer Analysen fehlen. Das Beste in einer solchen Situation ist ein guter Freund, der zum richtigen Zeitpunkt in verständlicher Sprache und möglichst unterhaltsam ein paar Tipps gibt. Und genau das will mein Buch sein: ein guter Freund zum Nachschlagen. Wer den Anwalts- oder Gerichtstermin vor der Brust hat, kann gezielt dazu nachlesen. Wer nach
der Scheidung mit seinem Freundeskreis hadert, schaut nur in diese Kapitel und wer seine Beziehung noch retten möchte, fängt vorne an und lässt den Rest im besten Fall ganz weg, weil er oder sie die Kurve noch gekriegt hat :)
3. Last not least – natürlich schafft Humor eine zusätzliche Dimension, eine etwas andere Sicht auf die Dinge. Wer den Lebensaufgaben bei aller Ernsthaftigkeit auch mit Humor begegnet, nimmt ihnen dadurch ihre Bedrohlichkeit, schafft etwas Distanz, lässt seine Situation in anderem Licht erscheinen. So fällt es leichter, manchmal über den Dingen zu stehen, sich selbst und vielleicht auch einen rüden Anwaltsbrief nicht zu ernst zu nehmen. Humor soll an dieser Stelle auf keinen Fall mit Häme, Schadenfreude oder Lächerlichkeit verwechselt werden, sondern den Weg zur eigenen Lebensfreude, Optimismus und zu etwas Gelassenheit ebnen. Und falls Kinder im Spiel sind, wird ihnen diese Haltung der Eltern sicher auch gut tun. Humor ist für mich so etwas wie die Salbe, die man zusätzlich auf die Wunden schmieren kann, damit diese von der Zeit dann umso schneller und mit weniger Narben geheilt werden. Klingt das zu pathetisch? Egal :)
4. Natürlich gibt es Härtefälle (wie in dem Buch beschrieben) bei denen das Meiste des oben Gesagten nicht zutrifft. Da gelten andere Regeln und Humor ist hier erst mal fehl am Platz.
5. Zu Ihrer eigentlichen Frage: Was kann man tun, um sich das Leben etwas schöner und stressfreier zu gestalten? Ich finde, man sollte versuchen, nicht nur im Tal der Tränen zu sitzen, sondern trotzdem am Leben teilzuhaben und sich etwas zu gönnen, falls das finanziell möglich ist. Eine Kinokomödie mit Freunden (natürlich nur Freunde, die einen nicht runterziehen), einen schönen Nachmittag mit den Kindern in der Soccerhalle oder beim Freeclimbing, ein Malkurs, musizieren, singen oder – natürlich – Sport machen, Bewegung, die den Körper mobilisiert, den Kopf freibläst, eine Portion Stolz und Zufriedenheit freisetzt. Einfach in den Teil der Welt eintauchen, der sich nicht ständig um die Trennung dreht. In sehr belastenden Situationen kann auch psychologische Betreuung sehr gut tun. Das gilt auch und gerade für Kinder.
 
 
FRAGE: Was sollte Ihrer Meinung nach im Familienrecht bzgl. Trennung und Scheidung noch dringend reformiert werden?
 
Ich muss gestehen, da fällt mir nichts grundsätzlich händeringend Notwendiges ein. Meine Anwältin würde das vielleicht anders sehen, aber ich weiß, dass sich in den letzten Jahren eine Menge getan hat im Sinne der Gleichbehandlung der Geschlechter und vor allem im Sinne des Kinderwohls. Natürlich steht und fällt das Recht immer mit seiner jeweiligen Anwendung – also mit den Richtern und Anwälten. Es gibt sicher etliche Einzelurteile, über die man den Kopf schütteln könnte. Aber das ist meist das Resultat dürftiger Auslegung geltenden Rechts.
Als Mann könnte ich vielleicht hinzufügen, dass Männer immer noch etwas vorschnell in die Schublade des (geldgeilen oder geizigen?) Versorgers und nicht des zugewandten Vaters gesteckt werden. Ich selbst habe eine solche Diskriminierung auch vor Gericht erlebt und sie wurde glücklicherweise später korrigiert – was für unser Rechtssystem spricht.
Ich sehe eher „Reform- oder zusätzlichen Beratungsbedarf“, und zwar in zwei Bereichen. Bei der psychologischen Betreuung von Kindern – diese sollte wenn nicht obligatorisch so doch zumindest proaktiv und unkompliziert für jedermann/-fraus Kinder zur Verfügung stehen. Und bei der Aufklärung heirats- oder scheidungswilliger Paare. Vielleicht sollten bei jeder Eheschließung auch standardisierte Eheverträge angeboten oder thematisiert werden. Das würde eine Menge Schmerzen, Geld und gesellschaftliche Narben verhindern.
Außerdem fände ich es wunderbar, wenn für scheidungswillige Paare ein Beratungstermin obligatorisch wäre. Ich habe auf einer Informationsveranstaltung in Heidelberg zufällig ein sehr berührendes und wirkungsvolles Projekt entdeckt. Dort haben zwei Psychologen einen “Scheidungsparcours” entwickelt. Paare, die sich trennen wollen, konnten symbolisch mit einer Beraterin einen halbstündigen Parcours durchlaufen, in dem symbolisch (Puppen für das Kind, Seile für Zusammenhalt, beschriftete Bauklötze für das eigene “Päckchen” und eventuelle Einigungen) alle Möglichkeiten und Probleme im Verlauf der Trennung thematisiert werden. Das Ganze funktioniert überraschend authentisch – ähnlich wie bei einer Familienaufstellung. Mir selbst kamen beim rein informativen Durchlaufen des Parcours (ich habe das Ganze ja schon länger hinter mir) auch einige Male die Tränen. Die Beraterin erzählte von Müttern, die plötzlich an der Puppe herumzerrten, weil sie „das Kind“ nicht aus der Hand geben wollten oder von Paaren, denen es fast unmöglich war, die Bauklötze mit den Silben für VER-SÖH-NUNG aneinanderzusetzen.
Ich wünsche mir, dass jedes Paar in Deutschland, bevor es die Scheidung formal angeht, einen solchen Parcours durchlaufen muss/kann/darf. Das würde eine Menge Zeit, Nerven und Geld sparen, die Gesellschaft etwas gesünder machen und vor allem viele Kinder vor großen Belastungen bewahren. Die Eltern wissen vorher nämlich gar nicht, was alles auf sie zukommt, was der Gang zum Anwalt letztendlich bedeutet und wie viel sie tatsächlich selbst beeinflussen können. Das hat dieses Projekt allen Teilnehmern eindrucksvoll und kompetent verdeutlicht.
 
 
FRAGE: Kennen Sie Ehe- und Scheidungsgesetze aus dem Ausland, die Sie gerne in Deutschland umgesetzt hätten?
 
Da muss ich leider passen, da ich rechtliche Details aus fremden Ländern nicht im Detail kenne.
 
 
Da ich aus aktuellem Anlass sehr eng mit der Thematik verbunden bin, habe ich meine Mitbloggerin Kerstin noch gebeten sich einige Fragen zu überlegen, deren Antwort sie als “Nichtbetroffene” interessieren würde:
 
FRAGE: Eine Partnerschaft ist ja bekanntlich wie ein Altbau, an dem ständig, renoviert und konstruiert werden muss. Wann weiß ich, dass ich mein Gebäude besser der Abrissbirne überlassen
werden sollte?
 
Einerseits natürlich bei den sogenannten Härtefällen. Da muss besser heute als morgen der Schlussstrich gezogen werden.
Für die „normal gefährdeten“ Partnerschaften ist das ja am Anfang des Buches beschrieben. Die vier apokalyptischen Reiter von John Gottmann könnten hier erwähnt werden – Verachtung, Machtdemonstration, Rückzug usw.
Letztendlich sollte eine Trennung angestrebt werden, wenn die Beziehung über längere Zeit mehr Kraft nimmt als gibt, mehr negative als positive Erlebnisse bietet und sich das auch nach der Thematisierung der Probleme nicht grundlegend ändert. Es gibt ja die Faustregel, dass in einer gesunden, erfüllten Beziehung auf jede negative Bemerkung zwischen Partnern fünf positive kommen müssen.
 
 
FRAGE: Im Nachhinein betrachtet, meinen Sie, ihre Scheidung hätte vermieden werden können?
 
Nein. Wir haben wirklich alles versucht und waren in vielerlei Hinsicht einfach zu verschieden. Menschen können einander nicht grundsätzlich ändern. Ein beispielsweise pessimistischer Mensch kann nicht vom andern zum Optimisten gemacht oder ein Chaot nicht zum Ordnungsfanatiker umerzogen werden. Selbst wenn man sich liebt, wird das nie gelingen. (diese Charakterzüge sind nur plakative Beispiele und nicht aus meiner gescheiterten Ehe entnommen)
 
 
FRAGE: Denken sie das es möglich nach einer Rosenkrieg Scheidung noch Respekt füreinander zu haben?
 
Nur durch Ehrlichkeit, Verständnis, Empathie und Toleranz kann verhindert werden, dass all die Gefühle des „Scheidungsknotens“ irgendwann unkontrolliert durchbrechen. Der Grundstein dafür muss bestenfalls schon bei der Trennung gelegt werden, denn hinterher ist das oft ungleich schwerer. Wer bereits in der Trennungsphase eigene Fehler zugibt und Verständnis signalisiert vermittelt dem anderen freiwillig Kompromissbereitschaft. Diese Ehrlichkeit wird eher anerkannt und ermöglich eine versöhnliche Reaktion – und irgendwann vielleicht auch den Prozess des Verzeihens. Schon bei einer „gewöhnlichen“ Freundschaft gehören Ehrlichkeit und Verständnis zur Grundausstattung. Im Scheidungsfall müssen beide noch eine Schippe Zeit und Geduld obendrauf packen.
Haben in der Vergangenheit oder während eines „Rosenkrieges“ Betrug oder Lügen stattgefunden ist die Wahrscheinlichkeit eines später respektvollen, wertschätzenden Umgangs miteinander im Durchschnitt natürlich geringer. Im Einzelfall bedeutet der Durchschnitt jedoch nicht viel. Manchmal können gefühlte Verletzungen (du hast dich nie wirklich für mich interessiert!) schlimmer als eine Lüge oder eine Affäre empfunden werden. Es gibt Paare, die sich „nur“ auseinandergelebt haben und hinterher trotzdem schwere Geschütze auffahren. Andersrum gibt es Ehepartner, die sich trotz zahlreicher Seitensprünge hinterher friedlich einigen. Da bestimmen die jeweiligen Persönlichkeiten den Ton, der angeschlagen wird. Wie gesagt, Zeit und Geduld sind hier immer der beste Ratgeber.
Die Goldwaage sollte in der heißen Phase ebenfalls im Schrank bleiben.
 
 
FRAGE: Aus eigener Erfahrung… haben Sie wieder eine ähnliche Partnerin wie ihre Exfrau gesucht?
Oder viel mehr bewusst darauf geachtet bestimmte Charakterzüge an Ihrer neuen Partnerin zu vermeiden?
 
Da jeder Mensch dazu neigt, in einer neuen Beziehung die Defizite der alten auszugleichen, kann ich mich sicher nicht davon freisprechen. Will ich auch gar nicht. Allerdings – wie in meinem
soeben erschienen Buch beschrieben – habe ich ja vier Jahre und drei Anläufe gebraucht, um die richtige Frau zu finden, mit der ich jetzt fast vier Jahre glücklich zusammen bin.
In meinem Fall haben natürlich die Partnersuche-Portale einen Teil der Arbeit erledigt. Denn wer die sehr umfangreichen psychologischen Tests gewissenhaft absolviert und auf den Punkteabgleich
achtet, wird kaum auf Menschen treffen, mit denen er sich überhaupt nicht versteht. Ob man sich dann gefällt, kann natürlich nur jeder für sich entscheiden.
 
 
FRAGE: Denken Sie es ist ratsam “der Kinder wegen” zusammen zu bleiben?
 
Klipp und klar – nein! Paare sollten „wegen der Kinder“ vielleicht lieber einen Versuch zu viel als zu wenig starten, die Beziehung zu retten. Aber wenn es keinen Sinn mehr macht, ist ein klarer, respektvoller Schnitt die beste Lösung. So lernen die Kinder im Optimalfall, dass man im Leben auch andere Wege gehen und trotzdem Respekt füreinander haben kann. Kinder haben sehr feine
Antennen für atmosphärische Störungen und beziehen elterliche Auseinandersetzungen schneller auf sich, als viele denken. Die entsprechenden Kapitel in meinem Buch sind aufgrund der Brisanz dieses Themas auch ausgiebig von Psychologen lektoriert worden.
 
 
FRAGE: Glauben sie, dass eine Scheidung zwangsläufig negative Auswirkungen auf die beteiligten Kinder haben muss? Wie vermeide ich, dass unser Kind in die Mitte des Rosenkriegs gezerrt wird, wenn der Partner jegliche Mittel nutzt, um das Kind zu manipulieren?
 
Antwort auf die erste Frage: Nein, nicht zwangsläufig. Eine Trennung ist immer auch eine Chance und das Leben geht danach weiter. Wie es für die Kinder bestenfalls weitergeht, das entscheiden die Eltern.
Antwort auf die zweite Frage: Wenn einer der Partner über die Kinder manipuliert, lässt sich kurzfristig meist nicht verhindern, dass er diese Versuche unternimmt. Aber warum geschieht das? Er möchte damit vermutlich etwas zu erreichen – das Kind auf seine Seite zu ziehen, den anderen diskreditieren oder er/sie fürchtet sich vor den Folgen der Trennung etc. Meiner Meinung nach gibt es hier ein paar Grundregeln, die in solchen Fällen zu beachten sind.
1. Auch wenn es schwerfällt – auf keinen Fall in diesen Strudel ziehen lassen und seinerseits schlecht über den anderen reden. Dadurch wird das Kind in die Rolle des Schiedsrichters gedrängt, was einer maßlosen Überforderung gleichkommt. Falsche Behauptungen sollte man kurz richtigstellen, aber mehr auch nicht.
2. Das Kind immer aus der Schusslinie nehmen und ihm verdeutlichen, dass das nicht seine (des Kindes) Sache ist. Kinder werden mit ihrer feinen Antenne früher oder später sowieso merken, woher der Wind weht. Da ist Gelassenheit und Ruhe mittelfristig ein guter Ratgeber.
3. Ich bin persönlich der Meinung, dass Kinder und Jugendliche im Rahmen einer Trennung immer einige psychologische Gespräche führen sollten. Die Eltern können zwar bestenfalls viel auffangen, sind aber aus Sicht der Kinder ebenfalls beteiligt. Kindern tut es gut, sich mit unbeteiligten Dritten vertraulich auszutauschen, auch wenn sie es anfangs vielleicht nicht möchten. Und diese Maßnahme kann Eltern ebenfalls entlasten, denn sie wissen, dass eine Fachfrau/-mann ein Auge auf den Nachwuchs hat.
In solchen psychologischen Beratungen (die auch für Erwachsene hilfreich sein könnnen), werden den Kindern „Werkzeuge“ an die Hand gegeben, mit etwaigen Manipulationen umzugehen und sich davon innerlich und ggf. auch äußerlich zu distanzieren.
4. … wenn der manipulierende Elternteil weiß, dass das Kind in psychologischer Betreuung ist und seine Versuche zudem ins Leere laufen, weil das Kind sich distanziert und der andere nicht darauf anspringt, werden die Manipulationsversuche häufig reduziert oder eingestellt. Wenn nicht, ist das Kind zumindest hinreichend gestärkt und unterstützt.
 
 
Abschließend noch ein Hinweis auf Ihr neues Buch “Wir sollten uns kennenlernen!”, welches im Februar erschienen ist:
 
 
 
Vielen Dank für die ausführliche Beantwortung unserer Fragen!
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1 thought on “[INTERVIEW] Jörg ter Veer

  1. Hallo und guten Tag,

    ja auch die Ehe ist eine schwierige Sache und gerade in unserer Handy/Onlinezeit….wird es da ohnehin immer schwierig….da für sich einen guten Weg zu finden….

    LG..Karin…

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