Rezension

[REZENSION] Januarrot

Redakteur: Anette Leister

Titel: Januarrot
Autor: Martina-Marie Liertz
Verlag: Ulrike Helmer
Reihe: Deborah Gronwald 1
Ausführung: Taschenbuch, 118 Seiten
Autor:
Martina-Marie Liertz, geboren 1962, studierte in Berlin Erwachsenenbildung sowie kreatives und therapeutisches Schreiben. Außerdem beschäftigte sie sich mit Theaterarbeit und Schauspielerei. In den USA absolvierte sie eine Weiterbildung in gestalttherapeutischer Tanztherapie. In der Berliner Literatur- und Frauenkulturszene engagierte sie sich in den Neunziger-jahren in Autorinnengruppen, an Lesebühnen und bei Poetry Slams, Lesungen und der Moderation verschiedener Veranstaltungsformen, so auch in der Gruppe »Raum«, in der Zusammenarbeit von Autorinnen und Musikerinnen. Im Jahr 2015 zog sie nach München, wo sie unter anderem eine Gruppe für literarisches und kreatives Schreiben leitet. Der hier angekündigte Text erschien 1999 als Bestandteil des Romans »Die Geheimnisse der Frauen« (Goldmann).

 

JANUARROT

 

“Januarrot” ist ein lesbischer Frauenkrimi, der in Berlin wenige Jahre nach der Wende spielt.

Deborah Gronwalds Leidenschaften sind Frauen und Schuhe. Als sie sich eines Tages an die verführerischen Schuhe einer nicht minder verführerischen Passantin heftet, ahnt sie nicht, dass sie bald in zwei Mordfälle verwickelt sein wird.
Schnell keimt in Deborah der Verdacht, dass Louise – die attraktive Passantin – in den ersten Mordfall verwickelt ist, mit dem Deborah in Kontakt kommt. Dennoch kann sie weder ihr Verlangen nach Louise noch ihre Neugierde auf die Aufklärung des Mords zügeln, so dass sich nicht nur Deborahs und Louises Wege immer wieder kreuzen, sondern sich ernsthaftes Interesse zwischen den beiden entwickelt. Doch nicht nur Louise hat sich in Deborahs Leben und Herz gestohlen. Schon bald buhlt eine zweite, nicht minder geheimnisvolle Dame um einen festen Platz an Deborahs Seite, und mit der zweiten Frau zieht auch ein zweiter Mordfall einher…

Die Geschichte um Deborah, Detektivin wieder Willen, besticht vor allem durch eine ausgefeilte Sprache und einen feinen Wortwitz. Martina-Marie Liertz gelingt sowohl eine überzeugende Figurenzeichnung aller ihrer Charaktere, als auch eine geradezu greifbare Kulisse, so dass man sich beim Lesen beinahe Seite an Seite mit Deborah im Berlin der 90er Jahre wähnt.

Neben den beiden Mordfällen, die zwar nur bedingt Spannung erzeugen, da man sich unter anderem auf Grund des überschaubaren Personals recht schnell auf ein bis zwei Tatverdächtige beschränken kann, ist es vor allem Deborahs lakonische und neugierige Art, die einen an den Seiten kleben lässt. Zu witzig ist es, wie sie sich plötzlich im Dilemma wiederfindet, dass gleich zwei Frauen ihr Herz erobern wollen. Diese Dreiecksgeschichte ist mitnichten nur für queere Leser interessant, die vertrackte und dennoch irgendwie witzige Situation passt auf alle Konstellationen in Liebesdingen und Beziehungslagen.

Es gab einmal eine Frau, die tat immer wieder, was andere von ihr wollten. Bis einmal jemand sagte: “Spring doch mal eben von der Klippe!” Danach gab es keine Frau mehr. (S.81)

Mit “Januarrot” hat Martina-Marie Liertz weniger einen spannungsgeladenen Kriminalfall als viel mehr interessante Charakterstudien und eine spritzige Liebesgeschichte erschaffen.
Deborah ist meistens neugieriger als gut für sie ist, und mit ihrer Art stiehlt sie sich nicht nur in die Herzen von Louise und Katrin, sondern sicher in die Herzen aller Leser, die im Berliner Winter mit ihr die grauroten, blutbespritzten Schuhe einer geheimnisvollen Passantin verfolgen.

Für den Sommer ist mit “Julipläne” eine Fortsetzung angekündigt, die ich allein schon wegen Deborah ebenfalls lesen möchte.

Trotz der Länge – oder Kürze – gibt Martina-Marie Liertz jedem Charakter ausreichend Raum sich zu entwickeln und bringt gleich zwei Handlungsstränge zu einem runden Ende. Wenn der Spruch “in der Kürze liegt die Würze” jemals gepasst hat, dann bei diesem Krimi von Martina-Marie Liertz.
Witzige und originelle Unterhaltung auf einem sprachlich hohen Niveau – was will Frau mehr?
 
 
MUSS ICH HABEN!

 

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