Redakteur: Christiane Demuth
Titel: CryptosAutorin: Ursula Poznanski
Verlag: Loewe
Reihe: Band 1
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Ausführung: Hardcover, 448 Seiten


CRYPTOS
Die Weltbevölkerung ist gewachsen, der Klimawandel rasant vorangeschritten. Das Leben in der realen Welt wirkt nicht nur trostlos und anstrengend, sondern im Grunde kaum noch lebenswert, während zugleich die Ressourcen immer knapper werden. Umso attraktiver und bedeutender erscheinen die alternativen virtuellen Welten, die sowohl historischen Epochen nachempfunden als auch völlig neu erdacht sein können. Dort findet jeder seinen Platz — und doch bleibt letztlich alles eine Illusion, so authentisch es sich auch anfühlen mag. Als plötzlich ganz konkrete Verbrechen mit Auswirkungen auf die reale Welt geschehen, kippt die Stimmung …
Ursula Poznanskis Thriller, der bereits 2020 erschienen ist und nun in einer limitierten Ausgabe neu aufgelegt wurde, wirkt aktueller denn je. Eine konkrete Zeitangabe gibt es nicht, doch anhand kleinerer Hinweise scheint die Handlung etwa 150 bis 200 Jahre in der Zukunft zu spielen. Einerseits ist das für uns und unser Vorstellungsvermögen kaum wirklich greifbar und wirkt noch weit entfernt, andererseits zugleich erschreckend nah. Gerade dadurch erscheinen viele der dargestellten Szenarien so glaubwürdig.
Der Leser ahnt schnell, dass es hier um weit mehr geht als nur um einen technischen Fehler im System – auch wenn genau das zunächst naheliegend erscheint. Das gesamte Ausmaß und die genauen Hintergründe bleiben jedoch noch eine ganze Weile im Verborgenen, im virtuellen Leben lässt sich schließlich vieles verschleiern. Die Hauptprotagonistin ist dabei zugleich Jägerin und Gejagte, beides allerdings wider Willen. Dennoch setzt sie alles daran, die Wahrheit aufzudecken, und riskiert dabei wortwörtlich alles.
Die Autorin legt ein hohes Tempo vor, da heißt es konzentriert bleiben, um nichts zu verpassen. Es wird gehofft, gebangt und erleichtert aufgeatmet, wenn es mal zu einer kurzen Verschnaufpause kommt. Diese sind jedoch sowohl den Lesern als auch den Protagonisten nur selten vergönnt, denn die Erde hört nicht auf, sich zu drehen. Und die Übeltäter verfolgen ihr Ziel weiter, ohne Rücksicht auf Verluste.
Deutlich im Vordergrund stehen gesellschaftliche Themen, die heute wie damals und auch morgen aktuell sind, allen voran soziale Ungleichheit. Durch das gewählte Setting wirkt die Darstellung keineswegs weit hergeholt, auch heutzutage gibt es zahlreiche vergleichbare Entwicklungen. Während man die meiste Zeit regelrecht durch die Lektüre fliegt, wirkt das Ende vergleichsweise ernüchternd. Was man sich an dieser Stelle stattdessen gewünscht oder erwartet hätte, lässt sich allerdings kaum konkret benennen. Das Lesevergnügen wird dadurch insgesamt jedoch nicht allzu sehr geschmälert.

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