Rezension

[REZENSION] Dry

Redakteur: Anette Leister

Titel: Dry (OT: Dry)
Autor: Neal und Jarrod Shusterman
Übersetzer: Kristian Lutze, Pauline Kurbasik

Verlag: Fischer Sauerländer
Reihe: -/-

empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Ausführung: Broschur, 448 Seiten

 

 

Autor:
Neal Shusterman, geboren 1962 in Brooklyn, USA, ist in den USA ein Superstar unter den Jugendbuchautoren. Er studierte in Kalifornien Psychologie und Theaterwissenschaften. Alle seine Romane sind internationale Bestseller und wurden vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem National Book Award.

 

DRY

 

Gemeinsam mit seinem Sohn Jarrod hat Neal Shusterman ein Buch über einen Notstand geschrieben, der in den heutigen Zeiten der Überbevölkerung und unserem nachlässigen Umgang mit unserer Umwelt leider gar nicht wie eine Dystopie anmutet, sondern sich erschreckend real anfühlt.

Alyssa dreht an einem heißen Junitag in Kalifornien den Wasserhahn auf, doch es passiert nichts. Nicht ein Tropfen Wasser kommt aus der Leitung. Bei den Nachbarn spielt sich das gleiche Szenario ab, dennoch ist die Wasserknappheit in den Nachrichten noch kein Thema. Dort heißt es nur, dass sich die Bewohner Kaliforniens gedulden sollen, und dass an einer Lösung gearbeitet wird.

“[…] Es gibt eine Theorie, die sich >In drei Tagen vom Mensch zum Tier< nennt. […]” (S.106)

Tatsächlich sieht es aber ganz anders aus. In den Supermärkten sind sämtliche Getränke ausverkauft, sogar die Eisvorräte in den Kühlungen sind aufgebraucht. Auf der Jagd nach dringend benötigten Getränkevorräten müssen Alyssa und ihr Bruder am eigenen Leib erfahren, wie schnell die Zivilisation auf der Strecke bleibt, wenn man ums nackte Überleben kämpfen muss. Dann ist sich jeder selbst der Nächste. Innerhalb einer Familie bleibt der Zusammenhalt noch bestehen, aber bereits in der Nachbarschaft macht sich das erste Misstrauen breit und die Türen bleiben vor Bittstellern geschlossen.
Doch greifen wir uns hier mal an die eigene Nase. Unter dem Gesichtspunkt, dass unklar ist, ob und wann die Notlage beendet ist, würden wir anderen Menschen helfen und damit die Vorräte für uns und unsere Familie mindern?

“Entweder man öffnet die Türen weit oder man schließt sie ab”, sage ich wehmütig. “Die Menschen sind zu kompliziert, um auf irgendetwas dazwischen zu vertrauen.” (S.125)

Neal und Jarrod Shusterman gelingt es fürwahr die Wasserknappheit und die Reaktionen der Menschen so authentisch darzustellen, dass ich beim Lesen permanent ans Trinken und allgemein an Wasserverbrauch und Ressourcenverschwendung denken musste.
Man kann sich sehr gut in die Protagonisten hineinversetzen und ihre Reaktionen nachvollziehen und sogar Verständnis für sie aufbringen, selbst wenn man das gar nicht möchte.

Neben Alyssa und ihrem jüngeren Bruder wird die Geschichte aus drei weiteren Perspektiven erzählt, wovon eine aus der Sicht ihres Nachbarn Kelton ist, der Sohn der einzigen Familie, die sich auf eine derartige Katastrophe eingestellt hat.
Obwohl alle fünf Erzähler Jugendliche oder Kinder sind, so sind sie jedoch vom Charakter und ihrer Reaktion auf den Wassernotstand sehr unterschiedlich, so dass es den beiden Autoren anhand der verschiedenen Erzählperspektiven perfekt gelingt, den Leser zum Nachdenken anzuregen und immer wieder eine andere Sicht auf mögliche Verhaltensweisen zu werfen.

Auch wenn einen beim Lesen die Bandbreite an Gefühlen zwischen Panik, Angst, Ekel und schlimmen Vorahnungen beinahe zerreißt, so ist es schier unmöglich die Geschichte aus der Hand zu legen. Es hat etwas von Gaffen bei einem Unfall. Man will nicht hinsehen, und dennoch sieht man sich außerstande den Blick abzuwenden.
So real die Geschichte ist, hat das Autorenduo es bei aller Authentizität dennoch geschafft das Thema jugendgerecht aufzuarbeiten. Es ist nichts beschönigt, es spielen sich erschreckende Szenen ab, dennoch gucken die beiden zur richtigen Zeit weg, beziehungsweise überlassen einiges der Fantasie des Lesers, so dass der Inhalt gerade noch zu ertragen ist und man durch die Negativmeldungen nicht völlig aus der Fassung gerät.

“Dry” zeichnet ein beeindruckendes und sehr authentisches Bild einer Umweltkatastrophe, wie sie in der heutigen Zeit leider schon in vielen Teilen der Welt Realität ist. Hier betrifft sie Menschen der Wohlstandsgesellschaft, für die es selbstverständlich ist, dass Wasser aus dem Hahn und Strom aus der Steckdose kommt, unbegrenzt und zu jeder Zeit verfügbar.
Es ist wichtig, dass Autoren wie Neal und Jarrod Shusterman sich solchen Themen annehmen und aufzeigen, dass Ressourcen eben nicht unendlich sind und auch nicht selbstverständlich sein dürfen!

 

 
 
Redakteur: Christiane Demuth
 
Niemand hätte gedacht, dass die Wasserknappheit auch sie erreichen könnte. Und die, die vorausschauend waren, wurden immer als Spinner abgestempelt. Doch wie besorgt sollte man ob einer möglichen Krisenzeit sein? Ab wann macht man sich nur selbst verrückt, indem man übervorsichtig ist? Es mutet wie eine Utopie an, dass mitten in Kalifornien nicht ein Tropfen Wasser aus den Hähnen kommt. Doch kaum angekommen in diesem Ausnahmezustand zeigt sich wozu die Menschheit fähig ist und wie die Überlebenschancen aussehen.

Sicherlich wird der ein oder andere das Thema belächeln und die Problematik dahinter verkennen. Womöglich dient dies aber auch nur dem Selbstschutz, denn in unseren Breitengraden kann man sich wohl schwerlich vorstellen, dass eine solche oder ähnliche Situation wie im Buch beschrieben eintreten kann oder wird. Dennoch sollte man sich die Zeit nehmen einmal tiefer zu graben, um zu verstehen welche Prozesse in Gang gesetzt werden müssen bis es zum Tap-Out kommt. Betrachtet man dann wiederum sämtliche bereits vorkommende Naturkatastrophen, sieht die Zukunft düster aus – wobei dies natürlich auch wieder nur eine Möglichkeit von vielen ist..

Neal und Jarrod Shusterman geht es aber nicht ausschließlich darum aufzuzeigen was mit der Umwelt geschieht, sondern vor allem das Agieren und Reagieren der Menschen. Unterschiedlichste Charaktere treffen aufeinander, mal nur kurzzeitig, manches Mal für länger, und jeder muss sich nun mit den Gegebenheiten arrangieren. Man spürt schnell, dass die niederen Instinkte gar nicht so weit unter der Oberfläche verborgen sind, wenn es ums nackte Überleben geht. Natürlich lassen sich nicht alle Menschen über einen Kamm scheren, der Haupttenor aber zeigt sich früh. Mehrfach wird zudem die Frage behandelt, ob es wirklich sinnvoll ist selbstlos zu handeln und immer anderen den Vortritt zu lassen.

Der Leser begleitet hauptsächlich eine Gruppe Jugendlicher durch die wohl schwersten Tage ihres Lebens. Ein bunt zusammengewürfelter Haufen, der zwar in gewisser Weise ein gemeinsames Ziel verfolgt, im Grunde aber doch wieder aus Einzelkämpfern besteht, denn natürlich hat jeder seine eigenen Vorstellungen. Da abwechselnd aus den diversen Perspektiven erzählt wird, kann man sich gut in die Figuren hineinversetzen und überlegt instinktiv wie man selbst wohl handeln oder entscheiden würde. Nicht immer fällt die Antwort eindeutig aus, vor allem aber fällt man eine Entscheidung niemals leichtfertig, denn sie kann nicht rückgängig gemacht werden.

Nicht nur der Tap-Out ist unberechenbar, sondern auch der Fortgang des Geschehens. Über den Schluss kann man geteilter Meinung sein, über weite Teile allerdings folgt man einfach nur gebannt den authentisch erzählten Ereignissen, die so viel Leid und Not mit sich bringen, gleichzeitig aber auch eine gewisse Art von Faszination ausüben. Überraschungsmomente gibt es on top, so dass man dahingehend ebenfalls versorgt ist und absolut nicht alles vorhersehen kann.

 

 
MUSS ICH HABEN!

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