Rezension

[REZENSION] Fritzi war dabei: Eine Wendewundergeschichte

Redakteur: Anette Leister

Titel: Fritzi war dabei: Eine Wendewundergeschichte
Autor: Hanna Schott
Illustrator: Gerda Raidt
Verlag: Klett Kinderbuch
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 8 Jahren
Ausführung: Hardcover, 96 Seiten
Autor:
Wenn die Buchhandlung die Mündung ist und der Schreibtisch der Autorin die Quelle des „Bücherstroms“, dann ist Hanna Schott von der Mündung stromaufwärts zur Quelle geschwommen. Angefangen hat sie als Buchhändlerin, es folgten Jahre als Verlagslektorin, und dann machte sie sich selbst ans Bücherschreiben. Seitdem reist sie durch die Welt und betrachtet das Leben mit den Augen anderer, „packend, witzig und zu Herzen gehend“, wie die Kritik meint.

Mehr zu ihren Büchern, Spielen und Lesungen: www.hanna-schott.de
 
Illustrator:
Gerda Raidt, geb. 1975, studierte freie Grafik an der Burg Giebichenstein Halle sowie Illustration an der HGB Leipzig, wo sie Meisterschülerin von Volker Pfüller war. Seit 2004 arbeitet sie als freie Illustratorin und hat bereits zahlreiche Buchprojekte realisiert.

 

FRITZI WAR DABEI: EINE WENDEWUNDERGESCHICHTE

 

In diesem Jahr jährt sich der Mauerfall zum 30. Mal. In diesen dreißig Jahren wurden viele Kinder geboren, die die Teilung Deutschlands glücklicherweise nicht mehr erlebt haben, aber auch unter den Erwachsenen sind viele, die die Teilung nur aus Geschichten kennen, aber zum Zeitpunkt des Mauerfalls so klein waren, dass sie sich an die Ereignisse von damals kaum oder gar nicht mehr erinnern können.
Vom Mauerfall und den Ereignissen in Leipzig, die dem “Wendewunder” im Herbst 1989 vorausgingen, erzählt Hanna Schott in “Fritzi war dabei” aus Sicht eines Mädchens und ihrer Familie.

Fritzi erlebt viele der Ereignisse, die dem Mauerfall damals vorausgingen, aus nächster Nähe mit.
Nach den Ferien fehlen Kinder in ihrer Klasse, deren Eltern nicht mehr aus dem Urlaub in Ungarn zurückgekehrt sind. Aber auch ihre Mutter und ihr Vater erzählen bald von immer mehr Menschen, die nicht mehr zur Arbeit erschienen sind, weil sie sich mit ihrer Familie in Länder abgesetzt haben, aus denen sie vielleicht in den Westen Deutschlands ausreisen können.
Viele Unterschiede zwischen der damaligen BRD und der ehemaligen DDR erfährt man beispielsweise durch den Umstand, dass Fritzis Oma in München lebt. Bei der Oma gibt es Spielsachen, die Fritzi nur aus dem Westfernsehen kennt, das man eigentlich in der DDR gar nicht sehen darf. In der DDR ist es außerdem normal, dass nicht jede Familie ein Auto hat. Dinge, die in der BRD selbstverständlich waren.
Auch das Schulsystem funktioniert bei Fritzi ganz anders. An den Schulen der DDR gibt es Fahnenappelle und die Kinder gehören zu den Pionieren, wo sie die Kinder im Sinne der sozialistischen Ideologie erzogen werden sollten.
Sehr gut spiegelt Hanna Schotts Geschichte die unterschiedlichen Ansichten der ehemaligen Bürger der DDR Wider, denn neben Leuten wie Fritzis Eltern gab es zu dem Zeitpunkt auch immer noch sehr viele systemtreue Bürger, die sich gegen die friedliche Revolution ihres Volkes stellten.
Auf Fritzis Geschichte folgt ein kurzes Statement der Autorin unter der Überschrift “Ist das wirklich alles wahr?” welches aufzeigt, was in dieser Geschichte auf Tatsachen beruht, und was der künstlerischen Freiheit der Autorin zuzuschreiben ist. Tatsächlich haben alle Figuren in diesem Kinderbuch reale Hintergründe, auch wenn es Fritzi an sich nicht gegeben hat. Aus Kindersicht hätte die Erklärung im Anschluss an die Geschichte für meinen Geschmack gerne noch ausführlicher ausfallen dürfen, aber ich denke, dass das Buch sowieso zur Diskussion mit Erwachsenen anregt, und dass Kinder offene Fragen mit diesen klären können. Vielleicht erinnern sich betroffene Erwachsene ja noch an ganz andere Dinge als die, die Fritzi erlebt hat…

“Fritzi war dabei” ist eine spannende und interessante Geschichte über die Ereignisse aus dem Herbst 1989, die aus Kindersicht die damaligen Vorgänge schildert, so dass auch die Generation, die die Teilung Deutschlands nicht miterleben musste, sich in eine Kindheit in der DDR hineinversetzen kann.
Natürlich kratzt dieses Kinderbuch nur an der Oberfläche, aber es bietet eine gute Grundlage, die nichts verklärt, um mit seinen Kindern tiefergehende Diskussionen über das ehemalige geteilte Deutschland zu führen.
Gerda Raidts Illustrationen fügen sich gut in Hanna Schotts Geschichte ein und visualisieren darüber hinaus einige wichtige Eckpunkte und Besonderheiten. Sie haben einen nostalgischen Touch und ermöglichen so noch tiefer beim Lesen in die Ereignisse einzutauchen, die nun schon dreißig Jahre zurückliegen.

 
 
MUSS ICH HABEN!

 

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