Rezension

[REZENSION] Die Familie sehen und sterben (Hörbuch)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Die Familie sehen und sterben
Autor: Toni Rivera
Sprecher: Samuel Streiff
Verlag: Argon
Reihe: Band 1
Ausführung: Ungekürzte Lesung, ca. 460 Minuten, Audio-Download
Autor:
Toni Rivera ist das Pseudonym eines bekannten deutschsprachigen Autors, der seine Kindheit im Tessin verbracht hat und heute wieder dort lebt. Man merkt seinem Krimi an, dass er seine Region mit all ihren Schönheiten und Abgründen gut kennt. Und dass er ein versierter Schriftsteller ist, der Sätze schreibt, die man nicht vergisst. „Die Familie sehen und sterben“ ist der Auftakt einer neuen Krimireihe. Der zweite Band erscheint im Frühjahr 2027.
 
Sprecher:
Geboren 1975, aufgewachsen in London und Walchwil. Nach der Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Zürich, arbeitete er zwei Jahre lang am Theater St. Gallen. 1999 erhielt er den Förderpreis für Nachwuchsschauspieler der Armin Ziegler Stiftung. 2001 wurde er Ensemblemitglied am Deutschen Theater in Göttingen. Seit 2004 ist er freischaffend. Zur Zeit tourt er mit mehreren Inszenierungen von Thom Luz und Ensemble durch Europa. Von 2013 bis 2019 spielte er den Fahnder Reto Dörig in der Schweizer TV-Serie Der Bestatter. Samuel Streiff arbeitet zudem als Sprecher beim Schweizer Fernsehen, schreibt und inszeniert Hörspiele und produziert Hörbücher u. a. in den Studios der Schweizerischen Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte in Zürich.

 

DIE FAMILIE SEHEN UND STERBEN

 

Zwei verdächtige Todesfälle, die nicht so einfach als Unfälle abgetan werden können. So etwas gab es im Tessin schon lange nicht mehr. Aber ist es wirklich Zufall, dass die Leichen nahezu zeitgleich auftauchen, oder gibt es eine Verbindung zwischen den Männern? Capitano Rossi macht sich eher unmotiviert an die Ermittlungen, bis Hinweise in eine Richtung deuten, die ihm ganz und gar nicht behagt.

‚Die Familie ist das Wichtigste‘. Diesen Satz nutzt Capitano Rossi nicht nur sehr häufig, in gewisser Art und Weise lebt er dieses Motto regelrecht, nicht immer jedoch regelkonform. Selten gelingt es einem Autoren, seinen Hauptermittler dermaßen unsympathisch darzustellen wie es hier der Fall ist. Unweigerlich stellt sich die Frage, ob er tatsächlich einen solch fragwürdigen Charakter besitzt, oder ob es einen anderen Hintergrund für sein Auftreten gibt.

Einige Gedankengänge wirken wirr, andere wie nicht zu Ende gedacht. Dadurch wird es dem Hörer erschwert, sich im Geschehen einzufinden. Lange Zeit bleibt zudem unklar, in welche Richtung die Geschichte sich entwickelt, was genau der Autor vorgesehen hat. Samuel Streiff gibt sein Bestes, die Ausführungen möglichst nachvollziehbar zu gestalten. Nichtsdestotrotz bleiben Hörer und Inhalt sich fremd.

Gleichwohl schafft Toni Rivera es, eine gewisse Spannung zu erzeugen. Diese ist auch der Grund, weshalb man letztlich bis zum Schluss am Ball bleibt. Um die zahlreichen Verstrickungen und Verschleierungen, die mal mehr mal weniger offensichtlich angedeutet werden, geht es dabei schon lange nicht mehr. Im Endeffekt möchte man lediglich erfahren, ob die Fälle erfolgreich und zufriedenstellend aufgeklärt werden können.

„Die Familie sehen und sterben“ ist ein Krimi mit Höhen und Tiefen, ohne großartige Überraschungsmomente. Mitreißende Passagen sind rar gesät, zeigen aber deutlich das nicht vollends ausgeschöpfte Potenzial. Ein solider Auftakt, der zwar wenige Sympathien einheimsen kann und mit einigen Klischees aufwartet, aber zumindest phasenweise überzeugt.

 
 

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