Redakteur: Christiane Demuth
Titel: Im MorgengrauenAutor: Marc Raabe
Verlag: Ullstein
Reihe: Art Mayer 4
Ausführung: Broschur, 576 Seiten


IM MORGENGRAUEN
Der Bundeskanzler verschwindet spurlos, nachdem im Netz einige Videos mit prekärem Inhalt aufgetaucht sind. Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise darauf, dass etwas noch weitaus Größeres im Gange ist, als es ohnehin schon den Anschein hat. Während Art und Nele immer tiefer in ihre Ermittlungen eintauchen, gerät ersterer plötzlich unter Verdacht, den Kanzler nicht nur entführt, sondern auch ermordet zu haben. Wer zieht hier die Fäden und weshalb soll Art Mayer als Sündenbock herhalten? Oder ist er womöglich doch schuldig?
Das Konstrukt rund um Art Mayer sowie Juli und Henrik Westphal stand bereits geraume Zeit auf wackeligen Beinen. Im Grunde war es nur eine Frage der Zeit, bis die mühsam errichtete Fassade einstürzen würde. Doch wer hat entschieden, dass dieser Zeitpunkt nun gekommen sei, und aus welcher Motivation heraus? Um die Brisanz des Ganzen nachvollziehen zu können, sind Vorkenntnisse unerlässlich. Es empfiehlt sich daher wärmstens, die chronologische Reihenfolge der Serie einzuhalten. Das dient nicht nur dem Verständnis, sondern lohnt sich auch für den Leser.
Marc Raabe versteht es auch im inzwischen vierten Band, einen spannenden Plot zu entwickeln und gnadenlos umzusetzen. Dem Leser bleibt während der Lektüre an einigen Stellen durchaus die Spucke weg, sei es aufgrund der Darstellung einzelner Szenarien oder auch wegen mancher grundlegender inhaltlicher Themen. Nicht selten hat man dabei nur einen einzigen Satz im Kopf: Das hat er gerade nicht wirklich getan, oder?
Die knapp 600 Seiten vergehen wie im Flug. Einerseits ist es ein Genuss, andererseits gleicht es einem wilden Ritt auf der Rasierklinge. Faszination und Abscheu geben sich dabei quasi die Klinke in die Hand, bis die Grenzen letztlich vollends verschwimmen. Dabei lernt man die Charaktere und ihre Geschichten noch besser kennen und taucht noch tiefer in teils jahrzehntealte Ereignisse ein. Nicht immer gefällt einem das, was an die Oberfläche gespült wird, aber gerade das macht Raabes Protagonisten authentisch und nahbar.
Nachdem man wie im Wahn durch das Buch geprescht ist, stellt sich die Frage, ob die Geschichte nun auserzählt ist. Da man sich als geneigter Leser gerne der Hoffnung hingibt, klammert man sich an jeden noch so kleinen Strohhalm. Und ein paar noch nicht ganz verwobene Fäden lassen sich bei genauem Hinschauen durchaus entdecken.

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