Rezension

[REZENSION] Du bringst mein Leben so schön durcheinander

Redakteur: Anette Leister

Titel: Du bringst mein Leben so schön durcheinander (OT: Beautiful Mess)
Autor: Claire Christian
Übersetzer: Bettina Obrecht

Verlag: Thienemann
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren

Ausführung: Hardcover, 320 Seiten

Autor:
Claire Christian erzählt Geschichten: in Gedichten, Theaterstücken und Romanen. Sie feiert große und kleine Erfolge mit ihrer Arbeit und nimmt sich doch immer Zeit für den Kunstnachwuchs – so arbeitet sie gemeinsam mit Jugendlichen an den verschiedensten Projekten und hat schon ganze Theaterstücke mit ihnen auf die Beine gestellt. Für ihr Jugendbuchdebüt “Du bringst mein Leben so schön durcheinander” erhielt sie 2016 den wichtigen australischen Text Prize. Claire Christian lebt in Brisbane.

 

DU BRINGST MEIN LEBEN SO SCHÖN DURCHEINANDER

 

“Weißt du, was die Japaner über zerbrochene Dinge sagen?” Robbie sieht mich an. “Kintsukuroi nennen sie sie. Sie nehmen die Porzellanscherben und flicken die Sprünge mit Gold. Sie stellen das her, was war, aber auch etwas Neues. Sie glauben, dass Sprünge eine Sache schöner machen können, wertvoller.” (S.129)

In Ava ist nach dem Selbstmord ihrer besten Freundin Kelly etwas zerbrochen. Nachdem einer ihrer Mitschüler etwas Negatives über Kelly gesagt hat und der Großteil ihres Umfeldes so tut, als müsste ein halbes Jahr nach dem Verlust alles wieder so sein wie zuvor, rastet Ava bei einer Schulversammlung aus. Vielleicht war es auch diese Ignoranz und das Unverständnis ein Grund dafür, dass Ava nach Kellys Tod mit deren älterem Bruder Lincoln im Bett gelandet ist.
Eines Tages fängt der schüchterne Gideon im Magic Kebab zu arbeiten an, dem Laden, in dem auch Ava angestellt ist. Zunächst schenkt sie ihm kaum Beachtung, doch nachdem Gideon von einigen anwesenden Gästen zum Rap Battle herausgefordert wird, erregt er Avas Aufmerksamkeit. Gideon hat seine Therapie im Poetry Slam gefunden. Ein Weg, den er nicht zuletzt dank seines Therapeuten Robbie eingeschlagen hat. Ava und Gideon kommen sich nach diesem Ereignis im Magic Kebab näher.
Da Gideon schon seit einiger Zeit weder ein Handy noch Social Media verwendet, schreiben die beiden sich ganz altmodisch Briefe und offenbaren so stückweise dem jeweils anderen ihre Gefühle. Vertrauen macht aber auch verletzlicher, und gerade Ava in in dieser Hinsicht noch nicht soweit wie Gideon. Die Schatten der Vergangenheit drohen die aufkeimende Freundschaft zwischen den beiden zu ersticken.

Zwar erscheinen sowohl Ava als auch Gideon zu Beginn der Geschichte recht unnahbar, da ihre Reaktionen jedoch nachvollziehbar sind und die Geschichte abwechselnd aus Avas und Gideons Sicht erzählt wird, legt sich dieses Gefühl jedoch spätestens zu dem Zeitpunkt, als die beiden sich miteinander anfreunden.
Die Poetry Slam Texte, sowie die Briefe, die die beiden sich schreiben, machen Ava und Gideon immer nahbarer und sympathischer, sowie ihre Trauer und Probleme greifbarer.
Zudem hat Claire Christian einige sehr liebenswerte und einzigartige Nebencharaktere erschaffen. Kellys großen Bruder Lincoln mochte ich zwar nicht – meiner Meinung nach rührt hier auch die anfängliche Abneigung gegen Ava her – aber der Inhaber des Magic Kebabs, Gideons Therapeut Robbie, sowie seine beiden Mütter und seine besten Freunde sind auf eine coole Art einfühlsam, verständnisvoll und witzig.

Es ist wie Laufen auf zerbrochenem Glas, wenn zwei kaputte Menschen versuchen sich gegenseitig zu stützen. Ob es Ava und Gideon gelingt, wie den Japanern beim Kintsukuroi, sich mit Hilfe ihrer Freundschaft gegenseitig zu reparieren oder ob sie dabei Ausrutschen und sich noch größere Verletzungen zufügen, das verrät die Geschichte erst ganz am Ende.

Mich hat Claire Christian mit Avas und Gideons Geschichte sehr berührt und in meinen Augen hat sie darüberhinaus einen wertvollen Beitrag zur Verarbeitung von psychischen Problemen geleistet, da sie anhand der beiden Schicksale aufzeigt, wie wichtig es ist miteinander zu reden und sich gegebenenfalls professionelle Hilfe zu holen.
Mit der Geschichte allein lässt sie es nicht bewenden, sie gibt im Nachwort Tipps und Adressen, an die man sich wenden kann, wenn man beispielsweise unter Depressionen leidet oder Beistand bei der Trauerverarbeitung benötigt.

Es ist okay, nicht okay zu sein. Es wird wieder besser. Rede darüber.
Du bist wichtig.
Alles Liebe
Claire

 

 
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