Rezension

[REZENSION] Home Story

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Home Story (OT: Heimstatt)
Autorin: Cleo Konrad
Verlag: Lübbe
Reihe: -/-
Ausführung: Softcover, 512 Seiten
Autorin:
Cleo Konrad wurde 1981 im Alpenvorland geboren. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Nürnberg. Wenn sie nicht gerade spannende Romane schreibt, arbeitet sie als Wissenschaftsjournalistin in einem Forschungsinstitut. Ihr Roman TÖDLICHER PODCAST wurde 2024 als bestes deutschsprachiges Thrillerdebüt mit dem VIKTOR CRIME AWARD ausgezeichnet. HOME STORY ist ihr dritter Spannungsroman.

 

HOME STORY

 

In ihrer Abgeschiedenheit und nach ihren eigenen Regeln lebend, sehen sich die Bewohner des Steingruberhofs seit jeher Anfeindungen und üblen Gerüchten ausgesetzt. Als erneut eine Journalistin unter einem fadenscheinigen Vorwand auf dem Hof erscheint, verhärten sich die Fronten schnell. Kurz darauf wird sie tot aufgefunden, und die Gemeinschaft rückt unweigerlich in den Fokus der Ermittlungen. Die Anwältin Eva soll den Bewohnern beistehen und sie aus der Schusslinie bringen, schließlich ist sie selbst hier aufgewachsen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft spürt sie, dass etwas nicht stimmt und man ihr wichtige Dinge verschweigt. Allerdings liegt ihr Weggang inzwischen 13 Jahre zurück – und in dieser Zeit hat sich vieles verändert.

Doch auch der Leser kann sich einer gewissen Anspannung von Beginn an nicht entziehen. Obwohl er den Protagonisten gegenüber einen entscheidenden Vorteil hat und zwischen verschiedenen Perspektiven und Figuren wechselt, trägt dieser Wissensvorsprung nur bedingt dazu bei, sämtliche Geheimnisse zu durchdringen. Zwar erschließen sich manche Zusammenhänge schneller, und einzelne Hinweise lassen bereits konkrete Theorien entstehen, doch lange Zeit bleibt alles fragmentarisch. Erst allmählich fügen sich die Bruchstücke zu einem größeren Bild, aber bis dahin werden einige Ereignisse den Hof, die Handlung und auch die eigenen Vermutungen noch ordentlich durcheinanderbringen.

Die Autorin spielt mit unterschiedlichen Tempi, wodurch jedoch der Spannungsbogen stellenweise spürbar beeinflusst wird. Sie überlässt wenig dem Zufall; die Struktur des Geschehens tritt deutlich hervor und gibt dem Leser ausschließlich die jeweils beabsichtigten Informationen preis. Dadurch wirkt das Konstrukt mitunter etwas statisch, obwohl sich zahlreiche Nebenschauplätze herauskristallisieren. Nichtsdestotrotz taucht man immer tiefer in das Geschehen ein, um Zusammenhänge zu erkennen und Rätsel zu entschlüsseln.

Ausdrucksstark sind vor allem die Figuren, denen man im Wechsel zur Seite gestellt wird, als solle auch dem Leser konsequent etwas verborgen bleiben. Gerade dadurch wächst jedoch die Neugier, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Auch wenn der Spannungsbogen nicht durchgehend konstant bleibt und einzelne Passagen mitunter etwas zäh wirken, gelingt Cleo Konrad mit „Home Story“ ein Thriller, der nur schwer aus der Hand zu legen ist. Zu groß ist die Neugier auf das Finale: Wird am Ende alles enthüllt oder hält die Mauer des Schweigens bis zuletzt stand?

 
 

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